netzeitung.deItalienische Ermittler vermuten Einzeltäter hinter Briefbomben-Anschlägen

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Italienische Ermittler zweifeln daran, dass hinter der Anschlagsserie gegen EU-Vertreter eine straff organisierte Gruppe steht. Ähnlich wie bei der islamistischen Al Qaeda seien vor allem Einzeltäter am Werk, heißt es.

Zu mehreren Briefbomben-Anschlägen auf EU-Vertreter hat sich in Italien eine Gruppe namens «Federazione Anarchica Informale» (FAI) bekannt. Sie droht mit weiteren Attentaten gegen europäische Institutionen und staatliche Sicherheitsstrukturen.

In der linken Szene wird allerdings bezweifelt, dass die «Informelle Anarchisten-Vereinigung» tatsächlich existiert. Die «Federazione Anarchica Italiana», die das gleiche Kürzel benutzt, distanzierte sich Ende Dezember von den Anschlägen. Die eigene Gruppe rufe zu Straßenprotesten und Streiks auf und organisiere Anti-Kriegs-Initiativen, heißt es in einer auf der Website Emilianet veröffentlichten Erklärung. Mit den Briefbomben wolle man nichts zu tun haben. Auf der deutschen Website des linksgerichteten Netzwerks Indymedia heißt es, der Name der Gruppe sei frei erfunden. Der linken Szene sollten die Anschläge untergeschoben werden.

Die Tageszeitung «Corriere della Sera» schreibt, hinter den Briefbomben-Anschlägen würden vermutlich vor allem Einzeltäter stehen, die nicht innerhalb einer straff organisierten Gruppe agierten. Italienische Anti-Terror-Experten sähen Parallelen zu der Vorgehensweise des islamistischen Terrrornetzwerks Al Qaeda.

Dies mache die Ermittlungen viel schwieriger als im Fall der Roten Brigaden, die vor allem in den 70er und 80er Jahren Anschläge in Italien verübt hatten, heißt es.

Abgrenzung von den Roten Brigaden
In öffentlichen Erklärungen benenne die «Federazione Anarchica Informale» lediglich allgemeine Ziele, schreibt die Zeitung unter Berufung auf ein Flugblatt, das nach der Explosion von Sprengsätzen nahe der Wohnung von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Bologna gefunden worden war. Die militanten Mitglieder der Gruppen könnten dann selbst entscheiden, gegen wen sie wann in Aktion treten wollten. Konkrete Spuren zu den Tätern gebe es in der Regel nicht.

Auf dem in Bologna entdeckten programmatischen Manifest kündigt ein Zusammenschluss von «Einzelpersonen und Gruppen» an, denjenigen, die ihnen im Wege stünden, das Leben schwer zu machen. «Wenn wir erst einmal Wurzeln geschlagen haben, wird es für die Staatsmacht enorm schwierig sein, uns zu zerstören», ist auf dem Flugblatt zu lesen.

Die Verfasser drohen laut dem «Corriere della Sera» mit weiteren Anschlägen auf europäische Institutionen sowie auf Sicherheitskräfte und Gefängnisse. Die EU wurde als «Festung» bezeichnet, in der die einzigen Grenzen diejenigen zwischen «Ausbeutern und Ausgebeuteten» seien.

Da die möglichen Ziele für Anschläge beliebig gewählt werden könnten, sei es für die Behörden kaum möglich, effiziente Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, so die Zeitung. Zudem rate die Gruppe ihren Mitgliedern davon ab, untereinander Kontakt zu halten, um nicht Verdacht auf sich zu ziehen. Die Kommunikation erfolge vor allem durch die Aktionen und über die Informationskanale der Bewegung.

Von den Roten Brigaden grenzt sich die Anarchisten-Gruppe ausdrücklich ab. Man wolle zwar den Staat und das Kapital zerstören, um in einer freien und selbstverwalteten Welt zu leben, heißt es weiter. Dabei lehne man aber «jegliches marxistische Krebsgeschwür» ab. Auch von den militärischen Strukturen der Roten Brigaden will die Vereinigung nichts wissen.


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