netzeitung.deBriefbomben an Europa-Abgeordnete verschickt

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Ein Bombenexperte sichert Beweismaterial (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Bombenexperte sichert Beweismaterial
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Büro zweier Europa-Abgeordneter sind Bomben explodiert. Sie kamen mit der Post, wie bereits vier weitere Sprengsätze an EU-Institutionen. Drei weitere verdächtige Briefe wurden rechtzeitig entdeckt.

Im Brüsseler Büro des deutschen Europaabgeordneten Hans-Gert Pöttering (CDU) ist am Montag eine Bombe explodiert. Eine Mitarbeiterin habe den Briefumschlag geöffnet, der Sprengsatz sei daraufhin detoniert, hieß es.

Eine Sprecherin Pötterings sagte, es sei niemand verletzt worden. Die Assistentin habe den anonymen Umschlag fallen lassen, als daraus eine Stichflamme in die Höhe geschossen sei. Die Sicherheitsdienste des Europaparlaments wurden eingeschaltet. Laut der Zeitung «La Repubblica» war die Briefbombe als Büchersendung getarnt. Ein Fraktionssprecherin sagte, es sei ein dickerer A5-Briefumschlag gewesen.

Wenig später explodierte im Büro eines britischen EU-Abgeordneten Gary Titley in Manchester eine Briefbombe. Auch dort wurde niemand verletzt, sagte ein Sprecher. Titley gehört als Mitglied der Labour Party im EU-Parlament zur Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE).

Pöttering besorgt
Pöttering sagte am Nachmittag, er sei «äußerst besorgt» um die Sicherheit seiner Mitarbeiter. Er war zum Zeitpunkt des Anschlags in seinem Wahlkreis bei Osnabrück. Den Brief habe eine Praktikantin geöffnet, sagte er. Sie sei unverletzt doch sehr schockiert.

Der Polizei zufolge glich der Brandsatz jenem, der Ende Dezember bei der EU-Ermittlungsbehörde Eurojust in den Haag eintraf. Der Brief sei vermutlich gezielt an den Fraktionsvorsitzenden der EVP - mit 232 Abgeordneten die größte politische Gruppe im Europaparlament - gerichtet worden.

Drei weitere Briefbomben
Kurz darauf wurde eine zweite verdächtige Sendung entdeckt, die an den spanischen Abgeordneten José Ignacio Salafranca adressiert war.

Nach Angaben des Fraktionssprechers der EVP werden zudem zwei weitere verdächtige Umschläge untersucht. Ein fünfter suspekter Umschlag erwies sich dagegen als harmlos. Alle Sendungen seien am 22. Dezember in Bologna abgestempelt worden, schreibt «La Repubblica».

Aus der gleichen Stadt kamen die vier in den vergangenen Tagen versandten Briefbomben, die an EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sowie an die Organisationen Eurojust und Europol adressiert waren.

Experten trafen sich
Die italienischen Behörden vermuten Linksextremisten hinter den Anschlägen. In Rom trafen sich am Montag mehrere Anti-Terrorexperten aus verschiedenen europäischen Ländern. An der bereits seit längerem geplanten Runde nahmen unter Leitung des italienischen Polizeichefs Gianni De Gennaro Polizeiexperten aus Frankreich, Griechenland und Spanien teil, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Rom sagte.

Sie beschlossen die Einrichtung einer Sondereinheit zur Aufklärung anarchistisch-aufständischer Gewalt. Diese soll innerhalb von zwei Monaten das Phänomen untersuchen und die Ermittlungsergebnisse der verschiedenen Länder zusammenbringen. Der britische Außenminister Jack Straw rief die europäischen Länder am Montagabend in London auf, im Kampf gegen den grenzüberschreitenden Terrorismus enger zusammenzusarbeiten. (nz)