08.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die argentinische Polizei hat mehrere ehemalige Militäroffiziere verhaftet, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Einer von ihnen wurde wegen des Mordes an einer deutschen Studentin gesucht.
In Argentinien sind fünf ranghohe ehemalige Militärs wegen Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) festgenommen worden. Wie die Tageszeitung «Clarín» berichtet, ist unter den Festgenommenen auch der pensionierte Oberst Pedro Durán Sáenz, der beschuldigt wird, an dem Mord an der deutschen Studentin Elisabeth Käsemann 1977 beteiligt gewesen zu sein. Seit Präsident Nestor Kirchner die Amnestie für Verbrechen wahrend der Diktatur aufgehoben hat, geht die argentinische Justiz verstärkt gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher vor.
Deutschland hatte im vergangenen Jahr erfolglos die Auslieferung von Durán Sáenz beantragt. Jetzt könnte ihm in Argentinien der Prozess gemacht werden. Durán Sáenz leitete während der Diktatur das geheime Folterzentrum «El Vesuvio» in der Industriestadt La Matanza in der Provinz Buenos Aires. Dorthin war auch Elisabeth Käsemann nach ihrer Verhaftung am in Buenos Aires verschleppt worden. Nach Aussagen von ehemaligen Mitgefangenen war die junge Frau mehrere Wochen in «El Vesuvio» und wurde regelmäßig gefoltert. Wenig später wurde sie mit 15 anderen Gefangenen an einen unbekannten Ort gebracht und ermordet.
Durán Sáenz wurde bislang für seine Taten nicht zur Rechenschaft gezogen. Nach der Rückkehr zur Demokratie wurde er unter der Regierung des Präsidenten Carlos Alfonsín zum Oberst ernannt und als Militärattaché an die argentinische Botschaft nach Mexiko entsandt. Erst der Protest von in Mexiko lebenden Argentiniern führte zu seinem Rücktritt. (nz)