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Verschwörungstheorien zum 11.9. boomen

09. Sep 2003 19:21
Das brennende World Trade Center
Vor dem zweiten Jahrestag der Anschläge des 11. September grassieren Verschwörungstheorien über die Hintergründe. Insbesondere Jüngere glauben daran.

Wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der Terrorattentate vom 11. September 2001 kommmen immer mehr Verschwörungstheorien auf. Und viele Menschen interessieren sich dafür: Ein Symposium im Berliner Tempodrom am vergangenen Sonntag war gut besucht.

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Bei dieser Konferenz trafen sich Journalisten, Politikwissenschaftler, Rechts- und Geheimdienstexperten aus aller Welt, um ihre Zweifel an der offiziellen Darstellung der Abläufe vor und am 11. September zu begründen. Zwei Jahre nach den Anschlägen sind die Hintergründe der Ereignisse heftig umstritten.

Verschwörungstheorien verkaufen sich gut

Deswegen sind in den vergangenen Monaten sind Bücher über Verschwörungstheorien in Deutschland zu Verkaufsschlagern geworden. Zu den prominenten Anhängern derartiger Theorien zählt der ehemalige Forschungsminister und Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Andreas von Bülow. Er war Mitglied der parlamentarischen Kommission zur Kontrolle der Geheimdienste.

Ebenfalls zu den Autoren von derartigen Büchern zählen der ehemalige «taz»- Redakteur und Buchautor Mathias Bröckers und Gerhard Wisnewski. Alle drei Autoren haben ihre eigene Theorie zu den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 veröffentlicht. Sie vertreten die These, dass die US-Regierung selbst in die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon mit mehreren tausend Toten verwickelt sei.

Große Nachfrage

Der Verlag Zweitausendeins teilte mit, dass Bröckers Titel «Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11. September» das «derzeit erfolgreichste Buch» des Unternehmens sei. 105.000 Exemplare seien bereits verkauft worden, weitere Auflagen in Vorbereitung.

Ähnlichen Erfolg hatte Andreas von Bülows Band «Die CIA und der 11. September»: Es wurde 70.000 Mal verkauft. Bülow vertritt die Ansicht, dass die Flugzeuge, die ins Word Trade Center rasten, ferngesteuert waren.

Vier Auflagen in drei Wochen

Das Buch von Wisnewsiki «Operation 9/11» erlebte binnen drei Wochen vier Auflagen. Seine These: Die zwei Türme könnten mit Sprengstoff zerstört worden sein.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hält diese Verschwörungstheorien für unglaubwürdig: Es wirft den Buchautoren Fälschung von Beweisen vor. Jedes scheinbar unstimmige Detail diene als Indiz für falsch gelegte Spuren“, schreibt das Magazin.

Wissenslücken als Belege für Manipulationen

Anstatt die angeblichen Widersprüche durch eigene Recherchen aufzuklären, machten die Autoren der Bücher «ihre Wissenslücken zum Beleg für angebliche Manipulationen undurchsichtiger Geheimdienstler und Polizisten.« Das zugrunde liegende Denkmuster sei immer gleich, stellt das Magazin fest: Großes Unglück habe große Ursachen, ein Grüppchen Islamisten alleine könne die Weltmacht USA nicht derart treffen.

Auch der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp sieht laut Medienberichten ein elementares Bedürfnis der Menschen nach Verschwörungstheorien, das zum Erfolg der Bücher beitrage: «Es ist das Gefühl, nach dem Lesen in dieser komplizierten und undurchschaubaren Welt etwas begriffen zu haben.« Allerdings stecke dahinter auch eine gewisse Paranoia.

Jugendliche glauben an Theorien

Nach Ansicht von Bamberger Kommunikationswissenschaftler Rudolf Stöber suchen Anhänger von Verschwörungstheorien nach einfachen Antworten. Bezeichnend findet er, dass gerade junge Menschen überdurchschnittlich stark solchen Ideen anhängen.

Laut einer Umfrage der «Zeit» vermutet fast jeder fünfte Deutsche, dass die US-Regierung hinter den Terroranschlägen steckt. Bei den Jüngeren unter 30 Jahren ist die Zahl sogar noch höher: Fast jeder dritte unter ihnen hält es für möglich, dass die US-Regierung die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon selber in Auftrag gegeben hat.

Diese große Zahl von Anhängern einer Verschwörungstheorie erstaunt Stöber nicht. Er sieht darin den Ausdruck einer ganz menschlichen Verhaltensweise: «Der 11. September ist so irrational. Wir sind aber so erzogen, dass es eine rationale Lösung geben muss und suchen deshalb danach,» sagt Stöber. (nz)

 
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