netzeitung.deBeethoven eint Israelis und Palästinenser

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Das Orchester "West-östlicher Diwan" dirigiert von Daniel Barenboim (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Orchester "West-östlicher Diwan" dirigiert von Daniel Barenboim
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein aus Israelis und Palästinensern gebildetes Orchester ist erstmals in einem arabischen Land aufgetreten. Der Auftritt sei kein Politikum, sagte Dirigent Barenboim.

Das Orchester «West-östlicher Diwan», dem junge Israelis und Palästinenser angehören, hat unter der Leitung von Daniel Barenboim mit einem Auftritt in Marokko das erste Mal in einem arabischen Land gespielt.

In der marokkanischen Hauptstadt Rabat spielten die Musiker am Sonntag vor ausverkauftem Haus Stücke von Mozart und Beethoven. Barenboim würdigte vor Mitgliedern der königlichen Familie und des Premierministers Driss Jettou die Entscheidung des Landes, das Orchester auftreten zu lassen.

Der jüdische Dirigent Barenboim setzt hier nicht das erste Mal auf die Kunst als Mittel zur Annäherung zwischen den Kulturen. Bereits Anfang August hatte er im Amtssitz von Jassir Arafat in Ramallah ein Konzert vor rund 350 Palästinensern und Diplomaten gegeben.

Musik als verbindende Kraft
Barenboim und der Mit-Gründer des Orchesters, der palästinensische Intellektuelle Edward Said, sehen die Musiker-Union nicht als Politikum, sondern als Beispiel für produktive Koexistenz.

Das Orchester hatte sich 1999 während eines Workshops mit arabischen, israelischen und deutschen Musikern in Weimar formiert. Barenboim sagte, er habe keine politischen Lösungen, er wisse nur eines: «Man kann als Bürger nicht nur auf die Politik warten», sagte Barenboim damals. «Wir werden in dieser relativ kleinen Region miteinander leben müssen, auch wenn das manche noch nicht wahrhaben wollen.» Die Musik könne ein Stück dazu beitragen, einander näher zu kommen.

Bei der Namensgebung griffen die Musiker auf Goethes Alterswerk «West-östlicher Divan» zurück, das literarisch ein Brücke zwischen Orient und Okzident schlägt.

Gespaltene Meinungen im Orchester
Die 80 Musiker im Alter von 13 bis 26 Jahren haben ihre eigenen Ansichten zu dem musikalischen Schulterschluss. Während einige Teilnehmer sagten, dass das Projekt völkerverbindende Wirkung habe, sagten andere, dass ihre Motivation lediglich sei, unter Barenboim arbeiten zu können.

Dem Dirigenten zufolge hätten vor allem manche Teilnehmer aus arabischen Ländern Angst, sich mit Israelis anzufreunden. Ein Libanese hatte Angst, im arabischen Fernsehen neben einem Israeli gezeigt zu werden. (nz)


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