netzeitung.deEU beschließt Reform der Fischereiindustrie

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Droht auszusterben: Der Kabeljau (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Droht auszusterben: Der Kabeljau
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der EU-Ministerrat hat sich auf eine Reform der Fischereiindustrie geeinigt. Fischfangquoten werden reduziert - allerdings nicht so stark wie dies zum Beispiel von Deutschland gefordert worden war.

Die EU-Fischereiminister haben sich am Freitagabend auf neue Richtlinien für die Fischereiindustrie in Europa geeinigt. Der Ministerrat stimmte einem Kompromisspaper zu, das die dänische Ratspräsidentschaft eingebracht hatte. Schweden und Deutschland lehnten die Vorschläge allerdings ab.

Nach dem jetzigen Beschluss soll die Fangquote des vom Aussterben bedrohten Kabeljaus um 45 Prozent reduziert werden. Die Subventionen für die Flotten sollen bis 31. Dezember 2004 erhalten bleiben.

Umweltaktivisten sprachen von einem «Todesurteil für den Kabeljau».
Finanzförderung für Fangflotten
Wissenschaftler fordern ein absolutes Fangverbot. Auch im ersten Vorschlag von EU-Fischereikommissar Franz Fischler war noch eine Verringerung der Fangquoten um 80 Prozent vorgesehen.

Auch bei den Fangflotten wurden Zugeständnisse gemacht. Fischler wollte ursprünglich die Subventionen ab Anfang 2003 vollständig einstellen. Mit den dadurch frei werdenden 300 Millionen Euro sollten Umschulungen von Fischern finanziert werden.

Auch die Begrenzungen der Tage, an denen die Fischer auf See ausfahren dürfen, sollen weniger streng werden. Zudem sollen auch die Mengenkürzungen für andere Speisefische wie Seehecht, Schellfisch, Wittling, Scholle und Seezunge gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen gelockert werden.

Laichregionen zu Sperrgebieten
Der deutsche Staatssekretär Alexander Müller, der die zuständige Bundesministerin Renate Künast in Brüssel vertritt, sagte zu dem Beschluss: «Für uns ist der viel zu weit gehend.» Berlin hatte gefordert, dass die EU zumindest für den Kabeljau Maßnahmen zum Wiederaufbau des Bestands ergreifen solle.

Die Bundesregierung schlug vor, für den Kabeljau in der Nordsee Sperrgebiete einzurichten. Dies soll in Gebieten geschehen, in denen der Kabeljau laicht oder ein großes Aufkommen von Jungfischen festgestellt wird. Mit diesem Vorschlag konnte sich Deutschland aber nicht durchsetzen.

Nur Stockholm unterstützt Berlin
Unterstützt wurde die Bundesregierung in ihrer harten Haltung nur von Schweden. Der Nordsee-Bestand des Kabeljaus ist in den vergangenen 20 Jahren um 60 Prozent zurückgegangen. Wissenschaftler warnen vor einem Aussterben des Fisches. (nz)