Scharon zu Gespräch über Friedensplan bereit
06.03.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Israels Ministerpräsident Scharon hat die saudische Initiative zu Friedensgesprächen begrüßt. Am Mittwoch starben bei Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern 16 Menschen. Thema: Nahost-Konflikt Uefa will keine Spiele mehr in Israel austragen Schweinehaut gegen Selbstmord-Attentäter Sieben Tote bei israelischen Militärschlägen Hamas-Mitglied bei Explosion getötet
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat Saudiarabien zu Gesprächen über den Friedensplan des saudischen Kronprinzen Abdullah ben Abdel Asis eingeladen. Er begrüße den Vorschlag und sei zu Treffen jeder Art bereit, sagte Scharon vor dem israelischen Parlament in Jerusalem. Allerdings könne Israel auf den Plan erst reagieren, wenn dieser vorliege. Dies sei bisher nicht der Fall.
Bei israelischen Angriffen waren am Mittwoch in den palästinensischen Autonomiegebieten 16 Menschen getötet worden. Scharon sagte am Nachmittag dem israelischen Rundfunk, es werde einen «langen und harten Kampf» geben, mit dem man die Palästinenser an den Verhandlungstisch zurückzwingen wolle. «Terroristische Organisationen» und «Strukturen der Autonomiebehörde» würden gezielt angegriffen.
Die USA kritisierten die harte Haltung Scharons. Dieser sollte seine Politik besser noch einmal «genau betrachten» und prüfen, ob sie auch wirklich funktioniere, sagte US-Außenminister Colin Powell am Mittwoch in Washington. «Den Palästinensern den Krieg erklären und zu denken, man könne das Problem lösen, indem man prüft, wie viele Palästinenser man töten kann, führt meiner Meinung nach zu nichts», sagte Powell.
Annan kritisiert «Gemetzel»Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte die Gewalt im Nahen Osten am Mittwoch mit ungewöhnlich harten Worten. Er sei «entsetzt» über die «Gemetzel», die sich Israelis und Palästinenser tagtäglich gegenseitig zufügten, sagte Annan in New York. Die Lage sei «vollkommen außer Kontrolle» geraten. Die Konfliktparteien hätten die «dringende Verantwortung, an den Verhandlungstisch zurückzukehren».
Größte Offensive seit 17 Monaten Im Laufe des Mittwochs starben bei der größten Offensive der israelischen Armee seit Beginn des Konfliktes vor 17 Monaten 16 Menschen. Am Abend wurden in der Nähe der jüdischen Siedlung Nezarim im Gazastreifen nach Angaben israelischer Sicherheitskräfte zwei Palästinenser bei einem israelischen Panzerangriff auf eine Wachstation erschossen. Die israelische Armee teilte dagegen mit, die beiden Palästinenser hätten auf der Hauptstraße nach Nezarim eine Bombe legen wollen. Zuvor waren bei Gefechten in der Ortschaft Abassan bei Chan Junis im Süden des Gazastreifens wurden ein israelischer Offizier und ein Soldaten getötet worden, sagte ein Armeesprecher.
In der Nähe von Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen wurden die Leichen von vier palästinensischen Marineangehörigen gefunden. Drei palästinensische Zivilisten wurden beim Einmarsch der Armee in Abassan getötet, darunter ein Anführer der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas (DFLP). Ein Hamas-Aktivist starb in Gaza bei einer Explosion in seiner Wohnung. Im Westjordanland war ein 23-jähriger Palästinenser seinen schweren Schussverletzungen erlegen.
Die israelische Armee zerstörte bei einem Luftangriff auf Rafah im südlichen Gazastreifen ein Gebäude des palästinensischen Sicherheitsdienstes. Auch eine von der UNO geleitete Blindenschule wurde beschädigt. Die Armee hatte sie für eine Einrichtung des Sicherheitsdienstes gehalten. In Deir Balah wurde eine Polizeiwache zerstört. (nz)