29.01.2010
Herausgeber: netzeitung.de
Foyer des CIA-Hauptquartiers in Langley, Washington
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mehr als ein Dutzend Geheimdienste sehen und hören viel. Aber sie scheinen nicht genug miteinander zu kommunizieren: US-Agenten wussten seit Monaten, dass im Jemen ein Nigerianer auf ein Attentat vorbereitet wurde.
Nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit rückt laut «Wall Street Journal» ein in den USA geborener, radikal-islamischer Prediger immer stärker ins Zentrum der Ermittlungen. Es gebe zunehmend Belege, dass Anwar al-Awlaki in Verbindung mit dem Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab gestanden habe, der das Flugzeug sprengen wollte. US-Präsident Barack Obama sollte am Donnerstag einen Bericht über die im Vorfeld der Tat vorliegenden Geheimdiensterkenntnisse erhalten.
Der im Jemen lebende al-Awlaki hatte auch Kontakt zu dem Amokläufer auf der US-Militärbasis Fort Hood in Texas. Der muslimische Major Nidal Malik Hasan hatte Anfang November 13 Menschen erschossen. US-Geheimdienste haben dem Bericht zufolge al-Awlaki, der bis 2002 in einer Moschee im Norden des US-Bundesstaates Virginia predigte, bereits seit Jahren im Visier. Die genaue Art und der Umfang des Kontakts zwischen dem Prediger und Abdulmutallab sei allerdings unklar, berichtete die Zeitung weiter.
Informationsabgleich versäumtUnterdessen werden immer mehr Details bekannt, wie US-Geheimdienste verschiedene Informationen im Vorfeld des Anschlags vom ersten Weihnachtstag nicht miteinander in Verbindung gebracht hatten.
Laut «New York Times» war US-Agenten schon lange vor der missglückten Attacke bekannt, dass ein Nigerianer im Jemen auf einen Anschlag vorbereitet werde. Entsprechende Diskussionen von Al-Qaeda-Führern im Jemen habe die auf die Kommunikationsüberwachung spezialisierte Nationale Sicherheitsbehörde NSA schon vor vier Monaten abgefangen. Sie seien übersetzt und auch innerhalb des Geheimdienstnetzwerks weitergegeben worden.
Experten im Nationalen Anti-Terrorzentrum in Washington hätten die Informationen dann aber nicht mit den Warnungen des Vaters von Abdulmutallab in Verbindung gebracht, der Mitte November in der US-Botschaft in Nigeria vor der Radikalisierung seines Sohnes durch Islamisten gewarnt hatte. Sein 23-jähriger Sohn hatte am 25. Dezember versucht, in einem voll besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta kurz vor der Landung in Detroit einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden, war dabei aber von Passagieren überwältigt worden.
Rüge vom PräsidentenIn US-Regierungskreisen rückt dem Zeitungsbericht zufolge nun das Nationale Anti-Terrorzentrum in Washington ins Zentrum der Kritik. Es war drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur besseren Auswertung und Einschätzung der Terror-Erkenntnisse der verschiedenen US-Geheimdienste geschaffen worden.
Obama hatte den eigenen Behörden eine schwere Rüge erteilt: Es habe im Vorfeld des vereitelten Anschlags verheerende Fehler und Lücken im US-Sicherheitssystem gegeben. Es seien Warnungen übersehen worden. Obama sprach von «potenziell katastrophalen» Mängeln im Sicherheitssystem und forderte personelle Konsequenzen.
Die regionale Al-Qaeda-Organisation im Jemen hat sich zu dem Attentat bekannt und mit weiteren Terrorakten gedroht. Auch das Weiße Haus geht inzwischen immer mehr von einer «gewissen Verbindung» des Täters zu Al Qaeda aus. Nach US-Medienberichten spähen die USA bereits mögliche Ziele im Jemen aus, falls Obama einen Vergeltungsschlag gegen die Terroristen befehlen sollte. (nz/dpa)