24.12.2009
Herausgeber: netzeitung.de
420 Christen durften raus: Ein palästinensisches Mädchen feiert in Bethlehem
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In der Stadt, die Christen als Geburtsstadt Jesu heilig ist, feiern 15.000 Besucher - auch Palästinenser. Die Hamas überlegt derweil, ob sie dem Gefangenenaustausch zustimmt.
Tausende von Gläubigen haben am Donnerstag an den Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem teilgenommen. Am Nachmittag zog die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem in der Stadt ein, die Christen als Geburtsstadt Jesu heilig ist. Die Kirchenrepräsentanten unter Leitung des lateinischen Patriarchen Fouad Twal wurden nach ihrer Ankunft von Pfadfinder-Fanfarenzügen bis zum Krippenplatz vor der Geburtskirche begleitet. Dort wurden sie von tausenden Gläubigen und Besuchern feierlich in Empfang genommen, es waren auch Auftritte von Chören aus aller Welt geplant.
Nach Angaben des Bürgermeisters Victor Batarseh feiern etwa 15.000 Besucher Weihnachten in der Stadt im südlichen Westjordanland, die Hotels sind fast vollständig ausgebucht. Auch im letzten Jahr war die Situation ähnlich, während die Tourismusbranche in den Jahren zuvor unter der Gewalt in der Region litt und Einbußen hinnehmen musste. Die Stadt ist teilweise durch eine Mauer von Israel getrennt, die Reise dorthin ist mitunter mühsam.
3000 Christen leben im GazastreifenIsrael erlaubte am Donnerstag 420 Christen die Ausreise aus dem blockierten Gazastreifen, damit diese an den Feierlichkeiten in Bethlehem teilnehmen konnten. Im Gazastreifen mit seiner Bevölkerung von knapp 1,5 Millionen Menschen leben etwa 3000 Christen. Israel hat aus Sicherheitsgründen nur Christen im Alter von unter 18 und über 35 Jahren Ausreisegenehmigungen aus Gaza erteilt.
Der Jerusalemer Patriarch leitet am Donnerstag auch die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche Bethlehems, zu der auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erwartet wird. In seiner Weihnachtsbotschaft äußerte Erzbischof Twal ungeachtet aller Rückschläge Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts: «Das Geschenk, das wir uns am meisten wünschen, mehr als Geld und Reichtum, ist Frieden.»
Hamas tauscht bisher nur zum Kurs 1:1000Die Hamas will nach eigenen Angaben bis Anfang kommender Woche über den jüngsten israelischen Vorschlag zu einem Gefangenenaustausch entscheiden. Das Angebot werde geprüft, und «spätestens kommende Woche» werde es eine Antwort geben, sagte der in Syrien lebende stellvertretende Hamas-Vorsitzende Mussa Abu Marsuk am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP.
Der deutsche Vermittler zwischen der Regierung in Jerusalem und der radikalen Palästinenserorganisation hat den jüngsten Vorschlag am Mittwoch überbracht. Im Raum steht die Hamas-Forderung, dass für den seit dreieinhalb Jahren im Gazastreifen festgehaltenen israelischen Soldaten Gilad Schalit 1000 in Israel inhaftierte Palästinenser freikommen sollen.
Köhler fordert «Kultur der Anerkennung»Bundespräsident Horst Köhler hat die Menschen in Deutschland zu mehr Achtsamkeit aufgerufen. In seiner Weihnachtsansprache sagte er: «Wir können alle etwas tun für unser Land.» Achtsam leben heiße, sich für eine gerechte Ordnung «bei uns und in der Welt» einzusetzen, sorgsam mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen und sich für die Nächsten sowie für die Allgemeinheit zu engagieren. Den Soldaten in Afghanistan dankte er für ihren Einsatz.
Köhler forderte allgemein eine «Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung». Mit Blick auf die Weltwirtschaftskrise, die durch «Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht» ausgelöst worden sei, sagte er: «Wir brauchen Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft. Wir brauchen das Verständnis dafür, dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf.» Er verlangte «Einkehr von den Verantwortlichen». Verantwortungsbewusstsein mahnte Köhler auch im Umgang mit der Umwelt an.
Die Schutzlosigkeit in Winnenden und Solln«Wenn wir wollen, dass unsere Erde, und wir haben nur die eine, auch morgen noch eine gastliche Heimat sein soll, dann müssen wir achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen.» Die Demokratie und die Möglichkeit zur Gestaltung der Welt nannte Köhler ein Geschenk. Sie erforderten aber auch eine «Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt». Über das Engagement vieler Bürger in Vereinen und Kirchengemeinden, in politischen Parteien, in Bürgerinitiativen und in der Nachbarschaftshilfe zeigte er sich froh.
Köhler erinnerte an die «Schutzlosigkeit», die viele Menschen im vergangenen Jahr erfahren haben. Als Beispiele nannte er den Amoklauf von Winnenden, bei dem 15 Kinder von der Hand eines Kindes starben, oder den Mann, der an einer Münchner S-Bahn-Station couragiert wehrlosen Kindern beigestanden hatte und dafür mit seinem Leben bezahlte. «Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben», sagte der Bundespräsident. Doch stecke in ihnen auch eine Aufforderung: «Die Aufforderung, nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben. Sind wir achtsam genug miteinander?» Den Soldaten, Polizisten und zivilen Aufbauhelfern, die in Afghanistan im Einsatz sind, dankte Köhler ausdrücklich. In Deutschland mache man sich oft nicht klar, was ihr Dienst bedeute. (nz/dpa/DAPD)