Präsidentschaftswahlen in Lateinamerika: 

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Präsidentschaftswahlen in Lateinamerika 

Lupe Lobo will das zerrissene Honduras befrieden

Honduras steckt in einer schweren politischen Krise. Jetzt gibt es einen neuen Präsidenten. Mit Abstand hat er die Wahl am Sonntag gewonnen. Bleibt nur die Frage, ob dies neue Hoffnung für das Land schöpfen lässt oder ob alles beim Alten bleibt.

Die herrschenden Familienclans von Honduras haben es noch einmal geschafft. Der künftige Präsident des seit dem Putsch vom 28. Juni gespaltenen Landes ist erneut einer von ihnen. Der konservative Unternehmer Porfirio «Pepe» Lobo Sosa (62) hat am Sonntag die Präsidentenwahl klar für sich entschieden. Und obwohl die Wahlen ohne den gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya und dessen zahlreiche Anhänger abgehalten wurden, dürfte der neue Präsident in den kommenden Wochen auch von immer mehr Staaten in der Welt anerkannt werden.

Höchste Mordrate weltweit
Lobo steht vor immensen Herausforderungen. Honduras gehört zu den ärmsten Ländern Amerikas. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Gemeinsam mit El Salvador und Guatemala zählt Honduras zudem zu den Ländern mit der höchsten Mordrate weltweit. Die Gewalt mit harter Hand zu bekämpfen, was auch Lobos Konzept ist, war bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Auf der anderen Seite steht die Handvoll extrem reicher Familien, die das Land seit Jahrzehnten im Griff haben. Sie beherrschen auch die beiden konservativen Parteien, die Liberalen und die Nationalisten, die den Anschein von Demokratie erwecken, weil sie sich stets in der Regierung ablösen. Wie auch dieses Mal.

Forderung nach einer neuen Verfassung
Lobo, ein wohlhabender Agrarunternehmer, hat offenbar schon vor vielen Jahren begriffen, dass sich dieses System überlebt hat. Er war in seiner Jugend Mitglied in der kommunistischen Partei und hat seinerzeit eine Parteischule im sowjetischen Moskau besucht. Davon will er heute zwar nichts mehr wissen, doch auch ihm ist bewusst, dass sich die Probleme von Honduras nicht lösen lassen, wenn alles beim Alten bleibt. Am Sonntagabend kündigte er an, eine Regierung der Einheit bilden zu wollen. Und er forderte indirekt eine neue Verfassung, die er «einen nationalen Plan» nannte.

Bereits Manuel Zelaya, selbst ein Abkömmling der herrschenden Clans, hat nach Meinung linker Analysten erkannt, dass sich dieses System überlebt hat. Er wollte eine neue Verfassung schreiben. Im Land fand er aber keine politische Kraft, die ihm gegen die «dunkle Macht des Imperiums» hätte unterstützen können, wie es eine oppositionelle Zeitung vor einigen Wochen formulierte. Als er sich dann mit Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez verbündete und sich den Ritterschlag von Kubas Altrevolutionär Fidel Castro holte, wurde er aus Sicht der honduranischen Reichen nicht nur zum Nestbeschmutzer, sondern auch zum Vaterlandsverräter.

Soziale Unruhen im Land
Doch nun muss sich Lobo erneut dem Problem stellen, die Armut zu bekämpfen und mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Der Machtkampf der letzten Monate hat auch den Widerstand und die Gefahr organisierter sozialer Unruhen vergrößert. So versprach Lobo schon im Wahlkampf soziale Reformen und mehr Geld für die Bildung. Doch um Honduras aus der Krise zu retten, müssten die Reichen einen guten Teil ihres Reichtums hergeben. Und sie müssten breitere Bevölkerungsschichten an der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung teilhaben lassen. Voraussetzung dafür wäre eine neue Verfassung.

Lobos erstes Problem ist Zelaya, sein Landsmann aus Olancho, der ihn nicht als den neuen Präsidenten anerkennt. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie es mit ihm weitergehen wird. Eine Zeitung behauptete am Sonntag, Zelaya wolle in Nicaragua Asyl suchen. Das Oberste Gericht hat vor wenigen Tagen noch einmal klargemacht, dass die Anklagepunkte gegen ihn weiterbestehen. Statt ins Präsidentenamt zurückzukehren, soll er unter anderem wegen Vaterlandsverrats und Verfassungsbruchs vor Gericht gestellt werden. (dpa, Franz Smets)