Referendum für Verbot der Moscheetürme:
Schweizer mehrheitlich gegen Minarett-Bau
29.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Vertreter der Muslime in der Eidgenossenschaft sagten, sie seien schockiert über das Ergebnis. Der Präsident der Koordination islamischer Organisationen Schweiz (KIOS), Farhad Afshar, sagte laut Medienberichten, schmerzvoll für die Muslime sei nicht in erster Linie das Minarett-Verbot, sondern der symbolische Charakter der Abstimmung. «Die Moslems fühlen sich als Glaubensgemeinschaft in der Schweiz nicht akzeptiert.» Afshar warf den Schweizer Parteien vor, die Abstimmung nicht ernst genug genommen zu haben. Schließlich sei es dabei um Grundrechte wie etwa den Minderheitenschutz gegangen, die die Parteien hätten verteidigen müssen.
Der Unmut der Bevölkerung gegen den Bau weiterer Minarette sei von der Politik «unter dem Deckel gehalten worden», sagte Walter Wobmann, Präsident des Initiativkomitees, im Schweizer Fernsehen. Nun wolle man gegen Zwangsehen und Beschneidungen vorgehen und die Ganzkörperverschleierung von Frauen verbieten.
Die Schweizer Bischofskonferenz zeigte sich über die Annahme des Verbots besorgt. Für Sprecher Walter Müller ist das Ja «ein Hindernis auf dem Weg der gegenseitigen Integration und des interreligiösen Dialogs». Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, bedauerte das Schweizer Referendumsergebnis. «Es zeigt sich, dass die europäischen Gesellschaften noch nicht ganz reif sind für die Zuwanderung und für die Einwanderung», sagte Kolat der Nachrichtenagentur dpa.
Die Regierung, die meisten Parteien und die Kirchen hatten vor einer Annahme der Initiative gewarnt. Sie sagten, ein Minarettverbot löse keine Probleme bei der Integration von Menschen aus muslimischen Ländern, und befürchteten bei einer Zustimmung zu dem Referendum einen Boykott Schweizer Waren in der muslimischen Welt. Tourismusverbände warnten vor einem Imageschaden: Die Marke «Schweiz» müsse weiter für Werte wie Weltoffenheit, Pluralismus und Religionsfreiheit stehen. In der Schweiz, wo unter knapp acht Millionen Schweizern etwa 400.000 Muslime leben, gibt es derzeit vier Minarette. Die Schweiz ist das erste Land der Welt, das sich gegen den Neubau der Türme ausspricht. (dpa/epd/AP/nz)

