Mehrheit fraglich:
Schweizer stimmen über Minarett-Verbot ab
Die Regierung, die meisten Parteien und die Kirchen warnen vor einer Annahme der Initiative. Sie sehen darin einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Unternehmen fürchten vor einem Boykott Schweizer Waren, falls der Bau von Minaretten in Zukunft verboten wird. Die Regierung befürchtet bei einer Annahme der Volksabstimmung sogar Terroranschläge in der Schweiz. Umfragen zufolge wird es für das Bauverbot aber keine Mehrheit geben.
Die Mehrheit der Muslime sei gut integriert und respektiere die Gesellschaftsordnung, sagte Merz. Er habe im arabischen Raum gearbeitet und erinnere sich gut an die Minarette und an den Muezzin. «Auch in der Schweiz sollen die Muslime mit den Minaretten ihren Glauben leben können.» Verwiesen wird in der öffentlichen Diskussion auch auf das Beispiel Dänemark und die Morddrohungen nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen.
Allgegenwärtig ist zudem das umstrittene SVP-Plakat, das auf einer Schweizer Flagge mit dem weißen Kreuz eine schwarz verschleierte Frau zeigt, umgeben von drohenden, raketenähnlichen schwarzen Minaretten. In der Schweiz hat es eher Abscheu hervorgerufen statt zu mobilisieren.
«Zuerst gab es nur eine kleine Gruppe in der Schweizerischen Volkspartei, hart an der Grenze zum Faschismus, die ein Bauverbot für Minarette forderte.» Diese Gruppe habe aber eine riesige Kampagne gestartet. Ziegler prognostiziert, dass die Anti-Minarett-Gruppe ihren Kampf auch nach der Abstimmung am Sonntag fortführen wird. «Sie werden ihren Kreuzzug gegen den Islam verschärfen. Die rechten Gruppen haben pralle Kriegskassen», so Ziegler. Er warnte auch vor den Folgen der Kampagne in der islamischen Welt. Die Schweizer könnten zu den «neuen Feinden» werden. (dpa/AP/epd/nz)

