20.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
El Baradei hofft noch auf Antwort aus Teheran
Während US-Präsident Obama im Atomstreit mit dem Iran ungeduldig wird, will der oberste Atom-Aufseher noch warten. Die Chance auf Einigung sei einmalig und vergänglich, warnte El Baradei.
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, Mohammed El Baradei, hofft auf ein Abkommen im Atomkonflikt mit dem Iran bis zum Jahresende. «Ich glaube, offen gesagt, dass der Ball ganz klar auf der iranischen Seite liegt», sagte El Baradei am Freitag in Berlin. «Ich hoffe, dass sie diese einmalige - und wie ich sie nenne - vergängliche Chance nicht versäumen.»
Einige Partner hätten angedeutet, dem Iran bis zum Jahresende Zeit zu geben. Dies könne auch einen Wandel in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran bringen. El Baradei appellierte an alle Seiten, Sanktionen zu vermeiden. Sie würden für mehr Konfrontation sorgen. «Die Region steckt in einem totalen Chaos - chaotischer kann es wohl kaum werden», sagte der IAEO-Chef.
Akt der VerzweiflungDie Bedeutung eines für Freitag anberaumten Treffens der sogenannten Sechsergruppe - USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China sowie Deutschland - in Brüssel spielte El Baradei herunter. Das sei wohl eher ein Akt der Verzweiflung, sagte er und wiederholte: «Sanktionen werden die Sache eher verschlimmern.»
Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama deutlich gemacht, dass er nun wieder die Verhängung von Sanktionen statt weiterer Verhandlungen in Erwägung zieht. Hintergrund ist eine Äußerung des iranischen Außenministers Manutschehr Mottaki, die als Ablehnung des IAEO-Kompromissvorschlags gewertet wurde.
Türkei als TreuhänderDie fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates und Deutschland hatten dem Iran angeboten, niedrig angereichertes Uran nach Russland und Frankreich schicken, um es für einen Forschungsreaktor zu medizinischen Zwecken höher anreichern zu lassen. Der Iran ging allerdings dann nicht auf diesen Kompromiss ein. Auf dem Tisch liegt noch ein Vorschlag von el Baradei, die Türkei als Treuhänder einzubinden.
Außenminister Mottaki hatte gesagt: «Wir werden unser um 5,3 Prozent angereichertes Uran definitiv nicht außer Landes verschicken.» Der scheidende IAEO-Chef antwortete: «Ich glaube nicht, dass ich bereits eine definitive Antwort bekommen habe. Ich hoffe, dass ich sehr bald eine Antwort bekomme.». El Baradei sagte, der Plan sei eine einzigartige Gelegenheit, den Konflikt zu entschärfen. (dpa/AP/nz)