Afghanistans Staatschef für zweite Amtszeit vereidigt: 

netzeitung.deKarsai macht Versöhnung zum obersten Ziel

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Afghanistans Staatschef für zweite Amtszeit vereidigt 

Lupe Karsai macht Versöhnung zum obersten Ziel

Der afghanische Staatschef Karsai hat sich am Tag seiner Vereidigung für die Berufung einer Großen Ratsversammlung ausgesprochen. Nach 30 Jahren Krieg werde nationale Aussöhnung und Frieden für ihn oberste Priorität haben.

Drei Monate nach der Präsidentenwahl in Afghanistan ist Staatschef Hamid Karsai am Donnerstag für eine zweite Amtszeit vereidigt worden. An der Zeremonie in der Hauptstadt Kabul nahmen dem britischen Sender BBC zufolge Staatsgäste aus rund 40 Ländern teil, darunter der Präsident Pakistans, Asif Ali Zardari, und US-Außenministerin Hillary Clinton. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle reiste in die afghanische Hauptstadt.

Karsai sprach sich bei seiner Vereidigung für eine Loja Dschirga zur Versöhnung mit den Aufständischen im Land aus. Die Islamische Republik Afghanistan werde die nationale Aussöhnung ganz oben auf die Tagesordnung setzen, sagte Karsai. «Wir heißen all jene Landsleute willkommen, die keine Verbindungen zu internationalen Terror-Netzwerken haben, die ein friedliches Leben im Licht unserer Verfassung führen wollen und die in ihr Zuhause zurückkehren wollen. Wir werden ihnen die notwendige Unterstützung bieten», sagte er. «Um unserem Land bald Frieden zu bringen, werden wir die traditionelle Loja Dschirga des Landes berufen.»

Er bat Saudi-Arabien, Verhandlungen mit den Taliban weiterzuführen. Die Loja Dschirga ist laut Verfassung «die höchste Manifestation des Willens des afghanischen Volkes».

Zudem betonte Karsai unter dem Beifall der 500 Ehrengäste, er wolle in seinem künftigen Kabinett kompetente Experten-Minister einsetzen. Weiter sagte der Präsident, mittelfristig müssten die afghanischen Sicherheitskräfte die Verantwortung von den internationalen Truppen übernehmen.

Dritter Anlauf im Kampf gegen Korruption
Zudem versicherte Karsai erneut, gegen Bestechung und Vetternwirtschaft vorgehen zu wollen. Nach massivem internationalen Druck hatte er schon vor wenigen Tagen angekündigt, eine Kommission zur Bekämpfung von Korruption einzurichten. Das wäre der dritte Anlauf. Die beiden vorherigen Kommissionen sind gescheitert; einem Bericht der US-Behörde für Internationale Entwicklung vom März zufolge erreichte die Korruption sogar «ein beispielloses Ausmaß in der Geschichte des Landes». Transparency International führte Afghanistan auf seinem Korruptionsindex im vergangenen Jahr auf Platz 176 von 180 Staaten. Nur Haiti, Irak, Birma und Somalia waren noch schlechter.

Die erste Runde der Präsidentenwahl am 20. August war von Wahlbetrug und Manipulation überschattet gewesen. Ein Streit über das Ausmaß der Fälschungen zog sich über Wochen hin. Die Wahlkommission hatte Karsai zum Sieger der ersten Runde mit 54 Prozent der Stimmen erklärt. Eine für den 7. November geplante Stichwahl wurde von der Nationalen Wahlkommission abgesagt, nachdem Karsais Herausforderer Abdullah Abdullah seine Teilnahme abgesagt. hatte.

Alternativloser Präsident
Karsai, der das Land seit Ende 2001 regiert, ist im In- und Ausland umstritten. Kritiker werfen ihm vor allem seine Nähe zu Warlords und Drogenbossen vor. Außerdem umgebe er sich mit korrupten Beamten und zwielichten Ministern. US-Präsident bezeichnete ihn als unzuverlässig und ineffektiv. Dennoch gibt es scheinbar keine Alternative. Karsai stand zunächst an der Spitze einer Interimsregierung. 2004 wurde er in der ersten Wahl in Afghanistan mit deutlicher Mehrheit gewählt. (dpa/nz)