15.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Angriff auf Guttenbergs Hubschrauber
Am Hindukusch wird scharf geschossen, diese Erfahrung musste auch der Bundesverteidigungsminister machen. Guttenbergs Hubschauberkonvoi wurde in der Luft mit Infantriewaffen angegriffen.
Mitten in der Debatte über eine Verstärkung der Gefechtstruppen in Afghanistan hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Gefahren am Hindukusch unmittelbar erlebt. Seine Hubschrauber-Gruppe wurde am Freitag beim Besuch in der Region Kundus mit Infanteriewaffen beschossen. Entsprechende Zeitungsberichte wurden der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntag aus Kreisen des Verteidigungsministeriums bestätigt.
Als Guttenberg von Kundus nach Termes (Usbekistan) flog, hätten Aufständische auf die drei Bundeswehr-Helikopter gefeuert. Wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» und «Bild am Sonntag» berichteten, wurde der Zwischenfall dem Minister noch während des Fluges mitgeteilt. Die Hubschrauber vom Typ CH-53 konnten den Flug fortsetzen. Über Schäden an den Maschinen wurde nichts bekannt. An Bord des Hubschraubers, in dem der Minister flog, saß auch Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.
470 ausländische Soldaten getötetBei neuen Bombenanschlägen kamen in Afghanistan drei Amerikaner ums Leben. Wie die Internationale Schutztruppe Isaf am Wochenende mitteilte, starb im Süden des Landes ein US-Soldat bei der Explosion eines Sprengsatzes. Ein weiterer US-Soldat sowie ein für die Armee tätiger Zivilist seien im Osten Afghanistans getötet worden. Seit Jahresbeginn sind 470 ausländische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.
Guttenberg hatte am Freitag in Kundus das deutsche Feldlager besucht. Am Mittwoch war ein Bundeswehr-Hubschrauber desselben Typs ebenfalls mit automatischen Waffen beschossen und getroffen worden. Er trug den Zeitungsberichten zufolge vier Treffer in einem Zusatztank davon.
120 weitere Soldaten für KundusDeutschland wolle Mitte Januar eine zusätzliche Einsatzkompanie mit 120 Soldaten ins nordafghanische Kundus entsenden, hatte der Minister am Freitag zum Abschluss seines Besuchs in der Unruheregion angekündigt. Die Truppen sollen die dort bereits stationierten 450 Eingreifkräfte verstärken - also jene Soldaten, die sich im Ernstfall Gefechte mit den Taliban liefern.
Am Freitagmorgen war Guttenberg zu einem aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Besuch in Kundus eingetroffen. Er wollte sich ein Bild von der Lage in der Region machen, wo am 4. September auf Befehl eines deutschen Obersts zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen bombardiert worden waren. Dabei wurden nach Angaben der Nato bis zu 142 Menschen getötet - Aufständische, aber auch Zivilisten.
«Kriegsähnliche Zuständen»Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übernahm inzwischen die Formulierung des neuen Verteidigungsministers, der von «kriegsähnlichen Zuständen» in Teilen Afghanistans spricht. Sie warb zugleich für eine neue Afghanistan-Konferenz Anfang 2010. Dort müsse eine Perspektive festgelegt werden, bis wann die afghanische Regierung selbst für die Sicherheit im Land sorgen könne. Derzeit sind in Afghanistan etwa 4500 deutsche Soldaten im Einsatz.
Die Entwicklungspolitik soll nach dem Willen der dafür zuständigen EU-Minister in Afghanistan stärker zur Förderung der Demokratie eingesetzt werden. Darüber wollen die Ressortchefs an diesem Dienstag in Brüssel beraten. Die EU bemüht sich in Afghanistan seit Jahren um den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen.
Keine klare Linie innerhalb der SPDAuf dem SPD-Bundesparteitag in Dresden sorgte der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan für Kontroversen. Eine Mehrheit votierte dagegen, sich auf ein konkretes Datum für einen Abzug festzulegen. Auch weitere Anträge von der SPD-Basis, die eine schärfere Korrektur des bisherigen Kurses verlangten, wurden abgewiesen.
Im Beschluss des SPD-Parteitags heißt es: «Beim Einsatz in Afghanistan bleiben wir dabei, dass in dieser Legislaturperiode die Grundlage für den Abzug der Bundeswehr geschaffen werden muss.» Ferner forderten die SPD-Delegierten: «Die afghanische Regierung muss stärker in die Pflicht genommen werden, die afghanischen Streitkräfte müssen zunehmend Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen (...).» (dpa)