In Afghanistan droht neuer Wahl-Betrug: 

netzeitung.deWenn mehrere Stimmen aus der Burka kommen

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Wählerinnen mit Burka in Afghanistan (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wählerinnen mit Burka in Afghanistan
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Männer stimmen für die ganze weibliche Verwandschaft ab, vor den Wahllokalen liegen Säcke mit Stimmzetteln weiblicher Wähler - der schlechte gesellschaftliche Status von Frauen hat zum Wahlbetrug in Afghanistan beigetragen. Änderungen sind vor der Stichwahl nicht in Sicht.

Ein Mann gibt Stimmen für 36 weibliche Verwandte ab. Andere bringen gleich säckeweise Stimmen, die von Frauen sein sollen. Und in einem Dorf, in dem gerade einmal 250 Menschen leben, sollen innerhalb von drei Stunden 200 Frauen gewählt haben.

Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Afghanistan im August waren die Stimmen der Frauen einer der größten Bereiche des Wahlbetrugs. Und wahrscheinlich wird es bei der Stichwahl am 7. November zwischen Präsident Hamid Karsai und seinem Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, nicht anders werden. Es steht viel auf dem Spiel.

Die US-Regierung, die Karsai zur Stichwahl gedrängt hat, hofft, dass die neue afghanische Regierung durch die zweite Wahlrunde an Glaubwürdigkeit gewinnt. Untergraben wurde diese dadurch, dass Karsai sich lange weigerte einzuräumen, dass es Wahlbetrug gab und dass deshalb die Stichwahl notwendig ist.

Angst, zur Wahl zu gehen
Das Problem des Betrugs mit den Stimmen der Frauen wird aber nicht über Nacht zu lösen sein. Dass Männer für weibliche Verwandte die Stimme abgegeben, wird allgemein akzeptiert. Viele Frauen haben auch angesichts der Androhungen von Gewalt Angst, wählen zu gehen. Und von denen, die wählen gehen, sind viele ungebildet und leicht zu manipulieren.

Ein weiteres Problem bei der Stimmabgabe von Frauen ist, dass sie in eine Burka gekleidet sind, die es völlig unmöglich macht zu erkennen, wer tatsächlich unter der Kleidung steckt. So konnten einige Frauen auch mehrfach Stimmen abgeben. Ihre mit Tinte markierten Finger blieben unter der Burka versteckt. Und die männlichen Wahlhelfer trauten sich nicht, dort nachzusehen.

Bei der nächsten Wahlrunde sollen die Frauen immerhin nach ihrem Namen gefragt werden, wie ein Beamter erklärte. Welchen Umfang der Wahlbetrug mit den Stimmen der Frauen bei der ersten Runde der Wahl hatte, ist nur schwer abzuschätzen, da offizielle Zahlen nicht vorgelegt wurden. Beobachter erklärten aber, der Wahlbetrug sei in den Stimmlokalen für Frauen größer gewesen als in denen für Männer.

Auch Zahl der weiblichen Wahlhelfer reicht nicht
Was fehlt, sind vor allem auch weibliche Wahlhelfer. Die Behörden haben zwar erklärt, sie wollten weitere weibliche Helfer anwerben, ihre Strategie scheint sich aber nicht von der zu unterscheiden, die im Sommer gescheitert ist. Doch in Wahllokalen, in denen Männer arbeiten, gehen viele Frauen nicht wählen. Bei der letzten Runde waren in mehr als 3.500 der Stimmlokale für Frauen nur männliche Mitarbeiter.

Afghanistan ist seitdem noch nicht sicherer geworden. Die Drohungen der Taliban mit Gewalt machen es schwer, Frauen als Wahlhelfer anzuwerben. Vielfach fehlen ihnen aber auch die nötigen Qualifikationen, denn die durchschnittliche afghanische Frau ist Analphabetin. Wegen der unsicheren Lage und fehlender Mitarbeiter konnten bei der letzten Wahl 650 Wahllokale für Frauen nicht öffnen, wie eine Organisation unabhängiger Beobachter berichtete.

Frauen-Wahllokal leider geschlossen...
So waren in der Provinz Urusgan nur sechs von 36 Frauen-Stimmlokalen geöffnet. Dadurch sank der Anteil der Stimmen der Frauen im Vergleich zur Präsidentenwahl 2004 von 40 auf 39 Prozent. Und vermutlich ist diese Zahl wegen der Wahlfälschungen immer noch viel zu hoch. Für die nächste Runde will die Wahlkommission die Zahl der Wahllokale leicht erhöhen, von 6.167 auf dann 6.322. Dies läuft aber einer UN-Empfehlung zuwider, die vorgeschlagen hatten, die Zahl der Wahllokale zu reduzieren - gerade um Wahlbetrug in völlig leeren Stimmlokalen zu verhindern. (Heidi Vogt, AP)