In Afghanistan droht neuer Wahl-Betrug:
Wenn mehrere Stimmen aus der Burka kommen
31.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Afghanistan im August waren die Stimmen der Frauen einer der größten Bereiche des Wahlbetrugs. Und wahrscheinlich wird es bei der Stichwahl am 7. November zwischen Präsident Hamid Karsai und seinem Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, nicht anders werden. Es steht viel auf dem Spiel.
Die US-Regierung, die Karsai zur Stichwahl gedrängt hat, hofft, dass die neue afghanische Regierung durch die zweite Wahlrunde an Glaubwürdigkeit gewinnt. Untergraben wurde diese dadurch, dass Karsai sich lange weigerte einzuräumen, dass es Wahlbetrug gab und dass deshalb die Stichwahl notwendig ist.
Ein weiteres Problem bei der Stimmabgabe von Frauen ist, dass sie in eine Burka gekleidet sind, die es völlig unmöglich macht zu erkennen, wer tatsächlich unter der Kleidung steckt. So konnten einige Frauen auch mehrfach Stimmen abgeben. Ihre mit Tinte markierten Finger blieben unter der Burka versteckt. Und die männlichen Wahlhelfer trauten sich nicht, dort nachzusehen.
Bei der nächsten Wahlrunde sollen die Frauen immerhin nach ihrem Namen gefragt werden, wie ein Beamter erklärte. Welchen Umfang der Wahlbetrug mit den Stimmen der Frauen bei der ersten Runde der Wahl hatte, ist nur schwer abzuschätzen, da offizielle Zahlen nicht vorgelegt wurden. Beobachter erklärten aber, der Wahlbetrug sei in den Stimmlokalen für Frauen größer gewesen als in denen für Männer.
Afghanistan ist seitdem noch nicht sicherer geworden. Die Drohungen der Taliban mit Gewalt machen es schwer, Frauen als Wahlhelfer anzuwerben. Vielfach fehlen ihnen aber auch die nötigen Qualifikationen, denn die durchschnittliche afghanische Frau ist Analphabetin. Wegen der unsicheren Lage und fehlender Mitarbeiter konnten bei der letzten Wahl 650 Wahllokale für Frauen nicht öffnen, wie eine Organisation unabhängiger Beobachter berichtete.

