Abdullah erwägt Boykott der neuen Abstimmung:
Stichwahl in Afghanistan könnte platzen
31.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Abdullah Abdullah
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Abdullah Abdullah glaubt weiterhin nicht an eine «freie und faire» Stichwahl in Afghanistan. Gespräche mit Präsident Karsai über eine Machtteilung sind gescheitert. Nun könnte die Abstimmung ganz scheitern.
Eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan denkt Abdullah Abdullah an Rückzug. Der frühere Außenminister und Herausforderer von Staatschef Hamid Karsai will an diesem Wochenende bekanntgeben, ob er den Wahlgang am 7. November boykottiere, sagte ein Mitarbeiter des Abdullah-Lagers am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kabul.
Gespräche zwischen Karsai und AbdullahDer US-Sender CNN hatte am Freitagabend berichtet, Gespräche zwischen Karsai und Abdullah seien gescheitert. Abdullah habe dabei ein Abkommen über eine Machtteilung anstelle der zweiten Wahlrunde gefordert, der Amtsinhaber habe jedoch auf der Abstimmung beharrt, sagte der Gewährsmann, der anonym bleiben wollte. Vor wenigen Tagen hatte Abdullah die Entlassung des Vorsitzenden der umstrittenen Wahlkommission (IEC) gefordert
Vorwürfe gegen die WahlkommissionUm eine «freie und faire» Stichwahl zu ermöglichen, müssten IEC-Chef Asisullah Ludin sowie drei Minister abgelöst werden. Abdullah macht die Kommission sowie Teile der Kabinetts für massive Wahlfälschungen zugunsten von Amtsinhaber Karsai im ersten Wahlgang am 20. August verantwortlich. Die IEC hat die Vorwürfe zurückgewiesen und lehnt einen Wechsel an ihrer Spitze ab.
In der ersten Runde hatte es massive Wahlfälschungen zugunsten von Karsai gegeben. Das zunächst veröffentlichte Endergebnis von 54,6 Prozent für den Präsidenten wurde deshalb auf unter 50 Prozent korrigiert. Dennoch lag Karsai auch nach Abzug gefälschter Stimmen noch fast 20 Prozentpunkte vor Abdullah.
Unsicher ist, ob viele Afghanen überhaupt an der zweiten Runde teilnehmen. Schon im August war die Wahlbeteiligung mit knapp 38 Prozent gering gewesen. Vielfach hatten die Taliban mit Überfällen und Anschlägen für ein Fernbleiben der Bürger von den Urnen gesorgt. Auch die Stichwahl wollen die Taliban behindern. Bei einem Angriff der Aufständischen auf ein UN-Gästehaus in Kabul waren am Mittwoch auch fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet worden. (dpa/AP)