Umweltschützer kritisieren Klima-Kompromiss:
«Merkel hat als Klima-Kanzlerin abgedankt»
30.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Bundeskanzlerin Angela Merkel glaubt inzwischen nicht mehr an eine Verabschiedung eines internationalen Klimavertrags. «Wir wollten mal in Kopenhagen ein Abkommen schaffen mit Paragraphen und allem», sagte sie am Freitag zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel über die geplante Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. «Jetzt reden wir von einem politischen Rahmen, der verabredet werden soll.»
Ab 2020 werde der Klimaschutz in Entwicklungsländern jährlich rund 100 Milliarden Euro verschlingen, «22 bis 50 Milliarden» davon müsse international aus öffentlichen Mitteln aufgebracht werden, heißt es in der Gipfel-Erklärung. Dieser Beschluss ist zwar kein konkretes Angebot an die Entwicklungsländer, aber eine klare Aufforderung an die USA und andere Industriestaaten, Geld auf den Tisch zu legen. Kanzlerin Merkel äußerte die Erwartung, dass die EU letztlich ein Drittel der Kosten übernehmen werde.
Allerdings blockierte vor allem Deutschland eine Einigung. Merkel verteidigte ihren Widerstand gegen milliardenschwere Zusagen: «Wir haben ein Ergebnis, das der Vorreiterrolle der Union in den Fragen des Klimaschutzes Rechnung trägt», sagte Merkel nach Abschluss der zweitägigen Konferenz. «Wir sind mit allem in Vorleistungen getreten.» Europa könne erst dann Geld auf den Tisch legen, wenn «andere Länder ähnliche Verpflichtungen auch finanzieller Art übernehmen», sagte die Kanzlerin.
Merkel kündigte an, dass sie bei ihrer USA-Reise in der kommenden Woche die Brüsseler Beschlüsse vorlegen werde. Die Kanzlerin will damit die USA zu Zugeständnissen in der Klimaschutz-Politik drängen.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac warf Merkel Sabotage vor: «Merkel hat mit ihrer Verweigerung konkreter Finanzzusagen für die Länder ihre Verkleidung als Klima-Queen endgültig abgelegt und den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember offen sabotiert», so Chris Methmann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.
Greenpeace-Experte Joris den Blanken sagte: «Die EU hat die Gelegenheit verpasst, ihre Worte mit Geld zu unterlegen». Immerhin aber hätten «27 der reichsten Staaten der Welt sich für internationale Hilfen zur Bekämpfung des Klimawandels in Entwicklungsländern ausgesprochen.» Die Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam forderte, die EU müsse den armen Ländern mindestens 35 Milliarden Euro bieten. Die USA müssten einen vergleichbaren Beitrag aufbringen. (AP/dpa/nz)

