Heuschreckenplage in Asien und Nordamerika
22.06.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Heuschrecken verdunkeln den Himmel
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Millarden von Heuschrecken bedrohen die Ernten in Teilen von Asien und Nordamerika.
PEKING/MOSKAU/ISLAMABAD. Bauern und Behörden in Teilen Chinas, Russlands, Afghanistans und der Vereinigten Staaten kämpfen in diesem Sommer wieder gegen eine biblische Plage: Milliarden von Heuschrecken schlüpfen derzeit aus ihren Larven und fallen über Felder, Wiesen und Gärten her.
China setzt auf GiftBesonders schlimm trifft es die Menschen im Norden Afghanistans, die ohnehin unter Krieg, Dürre und Armut leiden. In der Provinz Baghlan haben die Heuschrecken bis zu 50 Prozent der Getreidefelder befallen. Obwohl die UNO mehrere tausend Arbeiter rekrutierte, die auf einer Fläche von 80.000 Hektar Heuschrecken und ihre Eier einsammelten, fielen riesige Schwärme über die Felder her.
China versucht mit massivem Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln, die noch nicht ausgewachsenen Tiere und ihre Larven zu töten. Die Zeit drängt, da den Heuschrecken gegen Ende Juni Flügel wachsen und sie dann ausschwärmen. Die Plage ist die schwerste in China seit vier Jahren, elf Provinzen in Nord- und Zentralchina sind betroffen. Allein in der Provinz Henan sollen 110 Tonnen Pestizide versprüht werden. Heuschrecken aus Russland und Kasachstan verschlimmern im Nordwesten die Lage noch.
Kein Geld für SchutzmaßnahmenDen massiven Einsatz von Chemikalien im Kampf gegen die Plage sieht Professor Zhang Long vom Forschungszentrum für Insektenbekämpfung in Peking kritisch. Die Mittel seien schädlich für Mensch und Umwelt. Auch natürliche Feinde der Heuschrecken würden getötet, könnten sich aber nicht so schnell regenerieren wie Heuschrecken, so dass die Plage jedes Jahr schlimmer werde. Sein Institut habe eine biologische Bekämpfungsmethode mit Parasiten entwickelt, die werde aber unter anderem wegen mächtiger Unternehmensinteressen nicht eingesetzt.
In der russischen Teilrepublik Dagestan sind etwa 70.000 Hektar Anbau- und Weidefläche befallen. Im Nachbarstaat Georgien haben die Insekten bisher einige Hundert Hektar Weinbaugebiet gefressen. Aber die Russische Akademie der Agrarwissenschaft fürchtet einen schlimmen Sommer, denn es fehlt das Geld für vorbeugende Maßnahmen.
In den USA fürchten vor allem Farmer in vier Bundesstaaten des Westens und Mittleren Westens die Heuschreckenschwärme. Nach mildem Winter und frühem Sommerbeginn schwärmen die gierigen Insekten dort jetzt aus. (dpa)