21.06.2001
Herausgeber: netzeitung.de
David Irving nennt sich Historiker. Historiker nennen ihn Holocaust-Leugner - mit höchstrichterlicher Billigung. Dagegen geht Irving nun vor.
LONDON. Der umstrittene britische Historiker David Irving hat Berufung gegen ein Urteil des Londoner Obersten Gerichts eingelegt, wonach er als Holocaust-Leugner bezeichnet werden kann. Irving wende sich gegen die Feststellung in der Urteilsbegründung vom vergangenen Jahr, er habe historische Fakten verdreht, berichtete die Tageszeitung «The Guardian» am Donnerstag. Über die Zulassung der Berufung solle in den nächsten Tagen entschieden werden.
Irving hatte den Prozess in erster Instanz verloren und war zur Zahlung von Gerichtskosten in Höhe von mehr als 500.000 Mark verurteilt worden.
Schlechter RufIrving hatte in dem Prozess den britischen Verlag Penguin und die Autorin Deborah Lipstadt verklagt, die ihn in einem 1994 erschienenen Buch als Holocaust-Leugner bezeichnet hatte. Irving erklärte, dies habe seinem Ruf geschadet und somit Auswirkungen auf sein Einkommen gehabt.
Sein Verteidiger sagte, Irving habe in keinem seiner Werke die Ermordung von Juden abgestritten oder mit Gedankengut des Nationalsozialismus sympathisiert. Der Historiker habe die These vertreten, dass die Judenvervolgung bis 1943 keine systematisch betriebene deutsche Politik gewesen sei.
Persona non grataIrving, wegen seiner Positionen Persona non grata in Deutschland, hatte wiederholt darauf bestanden, dass die Tötungsmaschinerie des Dritten Reichs für Millionen Morde nicht ausgereicht habe. Er verfügt über Verbindungen zu Rechtsextremisten in aller Welt, bei denen er ein gern gesehener, «wissenschaftlicher» Redner ist.
In dem Urteilsspruch wurde Irving seinerzeit bescheinigt, die historischen Fakten bewusst manipuliert zu haben und darüber hinaus ständig den Kontakt mit rechtsradikalen Gruppen gesucht zu haben. (AZ.: 05675/21.6.01) (nz/epd)