Geheimdienst ermittelt:
Umfrage im Internet zur Tötung von Obama
29.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Seit Monaten gehen zahlreiche Menschen gegen Obamas Gesundheitsreform auf die Barrikaden.
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Protest gegen Obamas Gesundheitspläne nimmt besorgniserregende Züge an: Auf Facebook erschien eine Umfrage, ob Obama getötet werden sollte. Eine der Antworten lautet: «Ja, wenn er meine Krankenversicherung einschränkt».
Der US-Geheimdienst Secret Service ermittelt im Zusammenhang mit einer im Internet veröffentlichten Umfrage zur Tötung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Wie der US-Sender ABC am Montag berichtete, wurde in der am Wochenende im Online-Netzwerk Facebook eingestellten Umfrage gefragt, ob Obama umgebracht werden soll. Als mögliche Antwort habe man «nein», «vielleicht», «ja» oder «ja, wenn er meine Krankenversicherung einschränkt» anklicken können. Inzwischen sei das von einem Drittanbieter bereitgestellte Umfrage- Modul von Facebook aus dem Netz genommen worden.
«Als wir von der Umfrage erfuhren, haben wir mit Facebook zusammengearbeitet, um sie abzuschalten, und Ermittlungen eingeleitet», sagte ein Sprecher des für den Schutz des US- Präsidenten zuständigen Geheimdienstes dem Sender. Facebook erklärte, die Befragung sei nicht von den Betreibern auf die Seite gestellt worden, sondern von einer Einzelperson, die dafür ein inzwischen abgeschaltetes Zusatzprogramm benutzt habe.
Aggressive Proteste gegen ObamaIm Zuge der heftigen Diskussion um die von Obama angestrebte Reform des US-Gesundheitswesens hatten Experten vor einer zunehmend aggressiven Rhetorik gegen den Präsidenten gewarnt. Die Neuausrichtung der Gesundheitspolitik gehört zu Obamas ehrgeizigsten Projekten. Er will eine staatliche Krankenversicherung einführen, die diejenigen aufnehmen soll, die ansonsten nicht versichert sind. Die konservativen Republikaber und Teile der Demokraten fürchten, dass dies zu einer Verstaatlichung im Gesundheitswesen führen könne und die Kosten nicht zu bewältigen sind. Erst Mitte September waren Tausende in Washington auf die Straße gegangen, um gegen Obamas Pläne zu demonstrieren.
Bei den Protesten gegen Obama spielt nach Einschätzung von Experten auch Rassismus eine Rolle. Millionen Weiße hätten offensichtlich Probleme, dass ein schwarzer Mann im Weißen Haus sitzt, meint ein US-Extremismusforscher. In Hagerstown im US-Bundesstaat Maryland wurde Mitte August bei einer Kundgebung zur Gesundheitsreform ein 51 Jahre alter Mann festgenommen. Er hatte ein Schild mit der Aufschrift «Tod für Obama» und «Tod für Michelle Obama und ihre beiden dummen Kinder» getragen. Kenner der rechtsextremen Szene sind zunehmend besorgt über die aufgeheizte Rhetorik. Ronald Kessler ist Autor eines Buches über den Secret Service, der für den Schutz des Präsidenten zuständig ist. Er sagt, Obama erhalte vier mal so viele Drohungen wie sein Amtsvorgänger George W. Bush. (nz/dpa)