VieleTote durch Luftangriffe internationaler Truppen: 

netzeitung.deMassiver Anstieg ziviler Opfer in Afghanistan

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Am Hindukusch sind seit Jahresbeginn mehr als 1000 Zivilisten getötet worden. Die meisten Todesopfer gehen auf das Konto der radikal-islamischen Taliban, aber gut 30 Prozent starben durch internationale Truppen.

Die Vereinten Nationen haben die steigende Zahl ziviler Opfer bei Kampfhandlungen und Anschlägen in Afghanistan beklagt. Zwischen Januar und Juni habe der Konflikt 1013 Zivilisten das Leben gekostet, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama). Das seien 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Für die Mehrzahl der Toten machen die UN Aufständische wie die radikal-islamischen Taliban verantwortlich. Allerdings gehen knapp 31 Prozent auf das Konto afghanischer und internationaler Truppen. Allein Luftangriffe hätten etwa 200 Todesopfer gefordert, so die Autoren des Berichts. Zudem gab es nach Angaben von Unicef in diesem Jahr bereits 16 Anschläge auf Schulen.
Großteil durch Bombenanschläge getötet
Militäroperationen hätten zudem zu einer erhöhten Zahl getöteter und verletzter Zivilisten sowie zur Zerstörung von Wohnhäusern und existenzsichernder Güter geführt, heißt es weiter. Gleichzeitig erkennen die Vereinten Nationen jedoch die verstärkten Bemühungen von US-geführten Koalitionstruppen und Internationaler Schutztruppe Isaf an, zivile Opfer möglichst zu vermeiden.

Die Aufständischen werden im jüngsten UN-Bericht vor allem für den «rücksichtslosen Einsatz» von Sprengfallen und Selbstmordattentätern kritisiert. Von den insgesamt 595 durch Gewalttaten der Taliban getöteten Zivilisten seien etwa 400 bei Bombenanschlägen ums Leben gekommen. Zudem agierten die Extremisten bei ihren Angriffen auf Sicherheitskräfte ohne Rücksichtnahme auf die Bevölkerung. Nach UN- Angaben operieren Aufständische bewusst aus dicht besiedelten Gebieten, in denen für Soldaten eine Trennung zwischen feindlichen Kämpfern und Zivilisten nur schwer möglich ist.
Wut unter der Bevölkerung
Zivile Opfer im Kampf gegen Aufständische sorgen immer wieder für massiven Unmut in der afghanischen Bevölkerung. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat für den Fall seiner Wiederwahl als Staatsoberhaupt einen besseren Schutz von Zivilisten bei Militäraktionen versprochen. In Afghanistan finden am 20. August Präsidentschaftswahlen statt.

Friedensinitiativen in Deutschland und Afghanistan appellierten an die Bundesregierung, sich um einen Waffenstillstand in der afghanischen Provinz Kundus zu bemühen. Ein regionaler Waffenstillstand würde das Leben von Soldaten, Aufständischen und Zivilisten retten, erklärten das deutsche Netwerk «Kooperation für den Frieden» und die Nationale Friedens-Jirga (Rat) Afghanistans in Aachen. «Kooperation für den Frieden» ist ein Zusammenschluss von 50 Friedensorganisationen in Deutschland. Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans umfasst den Angaben nach Stammesvertreter, religiöse Würdenträger, Intellektuelle und Politiker, vor allem aus dem Süden und Osten Afghanistans. (dpa/epd)