11.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Rückkehr vom Einsatz in der Provinz Helmand
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In Afghanistan sind inzwischen mehr britische Soldaten gestorben als im Irak - allein in der vergangenen Woche kamen 15 Briten um. Die Kritik an der Strategie des Militärs wächst.
In Afghanistan sind binnen zehn Tagen 15 britische Soldaten ums Leben gekommen. Allein am Freitag gab das Verteidigungsministerium in London den Tod von acht Soldaten bekannt - für die Briten war es einer der schwärzesten Tage seit Beginn des Einsatzes vor sieben Jahren, dem bislang 185 Angehörige der britischen Truppen zum Opfer fielen. Sechs Soldaten seien am Freitag in Südafghanistan in der Provinz Helmand umgekommen, teilte das Ministerium mit. Zwei weiterer kamen am Donnerstag ums Leben. Im sechs Jahre langen Irak-Einsatz starben dagegen 179 Soldaten.
Derzeit sind in dem Land rund 8300 Briten im Einsatz. Großbritannien hatte seine militärische Präsenz bis zu den afghanischen Wahlen im kommenden Monat vorübergehend um einige hundert Soldaten aufgestockt. Die Kritik an dem Einsatz wird lauter: «Wir haben unsere Soldaten im Stich gelassen», sagt Adam Holloway, Abgeordneter der oppositionellen Konservativen Partei und Mitglied im Verteidigungsausschuss. «Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass wir es entweder richtig oder gar nicht machen sollten.»
Glaube an überlegene TalibanNach Holloways Meinung hatte Großbritannien nie die Truppenstärke, um sich in Afghanistan zu behaupten. Die Soldaten hätten es nicht geschafft, wie versprochen für Sicherheit und Wiederaufbau zu sorgen. Das lasse viele Afghanen glauben, dass die Taliban den westlichen Truppen überlegen seien. «Wir sitzen in der Tinte», bilanziert Holloway. Dennoch halte sich der öffentliche Unmut über die Afghanistan-Strategie der Regierung noch in Grenzen.
In Wootton Bassett, einer Kleinstadt westlich von London, trauern die Menschen derweil um fünf Soldaten, die zwischen Samstag vergangener Woche und Dienstag in Afghanistan ums Leben gekommen waren. «Wir fragen uns, wie viele noch?» sagt Bürgermeister Steve Bucknell. «Jedes Mal beten wir, dass es der letzte (Tote) ist, wohl wissend, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein wird.»
Brown spricht von «Kette des Terrors» Verteidigungsminister Bob Ainsworth und Premierminister Gordon Brown verweisen derweil auf die Bedeutung des Anti-Terror-Einsatzes am Hindukusch. Er spiele eine bedeutende Rolle für die Sicherheit Großbritanniens, sagte Brown am Freitag. Eine «Kette des Terrors» führe aus den Bergen und Dörfern Afghanistans in die Straßen Großbritanniens. Auf dem G-8-Gipfel seien sich alle einig gewesen: «Dies ist eine Aufgabe, der sich die Welt gemeinsam annehmen muss, und dies ist eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen.» Kritiker bemängeln vor allem die ihrer Meinung nach unzureichende Ausrüstung der britischen Truppen in Afghanistan. Insbesondere würden mehr Hubschrauber benötigt.
Die meisten Opfer gebe es bei der Explosion von Bomben am Straßenrand, sagt Charles Guthrie, ehemaliger Stabschef der britischen Streitkräfte. Weil zu wenig Hubschrauber für den Truppentransport zur Verfügung stünden, müssten die Soldaten sich dieser Gefahr aussetzen. «Hätte es mehr (Helikopter) gegeben, wären höchstwahrscheinlich weniger Soldaten von Bomben getötet worden», sagte Guthrie der «Daily Mail». (Alastair Grant, AP)