07.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Uigurische Frauen protestieren für ihre Männer
Sie fordern die Freilassung ihrer Männer und Söhne. Trotz eines massiven Polizeiaufgebots gingen erneut Hunderte muslimische Uiguren auf die Straße. Zur Selbstverteidigung sollen sich manche mit Eisenknüppeln bewaffnet haben.
Nach den schweren Ausschreitungen in der westchinesischen Provinz Xinjiang ist es am Dienstag erneut zu Unruhen gekommen. Wie die amtliche Agentur Xinhua berichtete, hätten sich viele Menschen in der Provinzhauptstadt Ürümqi versammelt. «Sie laufen in Panik durch die Straßen», hieß es weiter. Bewohner einiger Wohnviertel hätten sich zur Selbstverteidigung mit Holz- und Eisenknüppeln bewaffnet.
Zuvor hatte es geheißen, Hunderte Uiguren seien auf die Straße gegangen als die Behörden ausländische Journalisten durch die Provinzhauptstadt Ürümqi führten. Ein BBC- Korrespondent berichtete, es seien diesmal vor allem Frauen gewesen, die protestierten. Sie blockierten eine Hauptstraße der Provinzhauptstadt und forderten die Freilassung ihrer Männer und Kinder. Nach etwa eineinhalb Stunden löste sich die Demonstration auf.
Chinesische Medien berichteten, etwa 300 Demonstranten hätten die 60 ausländischen Journalisten umringt und Slogans gerufen. Einige hätten versucht, von den Journalisten Informationen über ihre Verwandten zu erhalten. Eine Frau und ihr Kind hätten sich den Reportern als erste genähert und weinend die Freilassung ihres inhaftieren Mannes verlangt, berichtete die staatliche Agentur Xinhua am Dienstag.
Sitzblockade auf der StraßeLaut Augenzeugenberichten haben etwa 1000 weitere Menschen die Kundgebung beobachtet. Als die Demonstranten von der Bereitschaftspolizei aufgehalten wurden, hätten sie sich auf die Straße gesetzt. Gegen Mittag (Ortszeit) sei die Kundgebung dann aufgelöst worden. Erneut war auch das Mobilfunknetz lahmgelegt und die Website von Twitter blockiert. Internetverbindungen funktionierten nicht oder nur langsam.
Hintergrund der erneuten Proteste war eine Demonstrantion am Sonntag mit mehr als 3000 Teilnehmern. Dabei kam es blutigen Zusammenstößen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und muslimischen Uiguren mit mehr als 150 Toten und Hunderten Verletzten. Der zunächst friedliche Protest schlug offenbar in Gewalt um, als die Polizei die Demonstration auflösen wollte. Mehr als 1400 Verdächtige wurden festgenommen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Nach Angaben eines BBC-Korrespondenten zogen Polizisten von Haus zu Haus und nahmen vor allem junge Männer fest.
100 Menschen sollen getötet worden seinAm Montag hatte die Polizei eine Demonstration in Kashgar aufgelöst. Sie trieb mehr als 200 Uiguren auseinander, die sich in einer Moschee versammelt hatten. Hintergrund der Unruhen ist ein ethnischer Konflikt. Minderheiten wie Tibeter und Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen, die mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, diskriminiert. Sie beklagen vor allem politische und kulturelle Unterdrückung durch die Zentralregierung in Peking.
Nach unbestätigten Berichten sollen in Kashgar mehr als 100 Menschen getötet worden sein, berichtete die in den USA im Exil lebende Präsidentin des Uigurischen Weltkongresses, Rebiya Kadeer. Die Armee habe Proteste in Kashgar und der Stadt Hotan unterdrückt, sagte Kadeer am Montag in Washington. Die Exil-Uiguren verurteilten aufs Schärfste den Einsatz exzessiver Gewalt der chinesischen Sicherheitskräfte in Ürümqi und Kashgar. Unterdessen macht die Führung in Peking den Uigurischen Weltkongress und dessen Präsidentin Kadeer für die Unruhen verantwortlich. (dpa/AP/nz)