Konzertierter Protest:
EU-Länder bestellen iranische Botschafter ein
In der EU gibt es trotz der koordinierten Einbestellung der Botschafter indes noch keine Einigkeit über mögliche Sanktionen gegen den Iran im Gefolge der dortigen umstrittenen Präsidentschaftswahlen. Großbritannien hatte vorgeschlagen, als Zeichen des Protests alle EU-Botschafter aus Teheran abzuberufen. Die EU habe sich aber dafür entschieden, den Druck auf das iranische Regime schrittweise zu erhöhen, sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt.
Schweden hat derzeit die EU-Präsidentschaft inne. Der schwedische Regierungschef und amtierende EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt sagte in Stockholm, es sei «von entscheidender Bedeutung, dass die EU hier gemeinsam agiert». Man wolle die weitere Entwicklung im Iran sehr genau beobachten.
Derweil setzte die iranische Führung in Teheran den Konfrontationskurs gegen ausländische Kritiker und die heimische Opposition fort. Der mächtige Wächterrat kündigte an, den Mitarbeitern der britischen Botschaft wegen Verwicklung in Oppositionsproteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad den Prozess zu machen. Die Beschuldigten seien geständig, sagte der Vorsitzende des Wächterrates, Ajatollah Ahmad Dschannati, während des Freitagsgebets in Teheran.
Der Wächterrat hatte am 29. Juni den Wahlsieg des ultrakonservativen Ahmadinedschad bestätigt. Gegner werfen der Regierung Wahlbetrug vor. Wegen der umstrittenen Wahl vom 12. Juni war es danach im Iran zu Demonstrationen und gewaltsamen Protesten gekommen. Der nach offizieller Lesart unterlegene Kandidat Mir Hussein Mussawi fordert standhaft eine Annullierung des Wahlergebnisses und einen neuen Urnengang.
Dschannati attackierte am Freitag die von Mussawi geführte Oppositionsbewegung und bezichtigte sie des Dissidententums. «Sie (die Oppositionellen) kennen weder die Gesetze des Landes noch diejenigen, die die Pflicht haben, diese Gesetze umzusetzen.» Dies sei eine Geisteshaltung, die sich gegen das System richte. Sie sollten um Gottes Vergebung bitten. Die Proteste gegen den Wahlausgang seien bereits vor dem Urnengang geplant gewesen mit dem Ziel, das islamische System abzuschaffen, sagte der Ajatollah. Der Iran hatte den Westen und vor allem Großbritannien mehrfach beschuldigt, die Proteste gegen das Ergebnis der Wahl zu schüren. (dpa/nz)
