03.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
England befürchtet Hunderttausende Infizierte
Die Infektion mit dem neuartigen Virus H1N1 endete für einen 19-Jährigen tödlich. In Japan wurde erstmals ein Schweinegrippefall beobachtet, der nicht mit Tamiflu behandelt werden konnte.
In London ist ein 19 Jahre alter Mann nach einer Infektion mit der Schweinegrippe gestorben. Der Mann war durch ernsthafte andere Gesundheitsprobleme bereits geschwächt, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Die Infektion mit der Schweinegrippe war erst mit Tests nach seinem Tod festgestellt worden.
Damit sind in Großbritannien mittlerweile vier Menschen, die andere Vorerkrankungen hatten, nach einer Infektion mit dem neuartigen H1N1-Virus gestorben. Erst am Vortag hatte das Gesundheitsministerium vor einem bevorstehenden rasanten Anstieg der Infektionen im Königreich gewarnt. Laut Gesundheitsminister Andy Burnham könnte es Ende August täglich 100.000 neue Fälle geben.
Bei einer Berliner Schülergruppe wurden derweil vier neue Fälle von Schweinegrippe festgestellt, wie die Gesundheitsverwaltung am Freitag mitteilte. Damit gibt es nun neun Fälle der neuen Grippe H1N1 in der Hauptstadt. Eine 17-jährige Patientin hatte über grippale Symptome geklagt. Sie wurde unter häusliche Quarantäne gestellt. Bei Nachforschungen stellte die Behörde fest, dass die Patientin Kontakt zu einer Gruppe Schüler aus den USA gehabt hatte, von denen ebenfalls einige Symptome aufwiesen.
«Bei drei Schülern wurde die Neue Influenza nachgewiesen», meldete die Gesundheitsbehörde. Die betroffenen Schüler bleiben vorerst in Berlin und werden in ihren Gastfamilien betreut. Das Gesundheitsamt ermittelt nun alle weiteren Kontaktpersonen.
In Japan ist weltweit erstmals ein Schweinegrippefall beobachtet worden, der nicht mit dem Grippemittel Tamiflu zu behandeln war. Die infizierte Patientin habe das Alternativpräparat Relenza bekommen und sei inzwischen wieder gesund, betonte das Gesundheitsministerium in Tokio laut Medienberichten vom Freitag. Das Ministerium hatte über die beobachtete Resistenz, die bereits Mitte Juni festgestellt worden war, erst jetzt berichtet. Der Fall sei keine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit, da keine Infektionen im Umfeld der Patientin entdeckt worden seien, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur Kyodo. Es handele sich jedoch um die weltweit erste Entdeckung dieser genetischen Mutation des neuartigen H1N1-Virus.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will 150 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe anschaffen, um sie armen Ländern zur Verfügung zu stellen. WHO-Direktorin Margaret Chan sagte bei einer internationalen Grippekonferenz im mexikanischen Cancún, es sei noch nicht bekannt, wann der Impfstoff gegen das Virus A/H1N1 entwickelt sei. Doch stehe die in Genf residierende WHO mit zwei Unternehmen in entsprechenden Verhandlungen. «Sobald wir diesen Impfstoff bekommen, werden wir ihn in die Entwicklungsländer schicken», sagte Chan. Sie rechne damit, dass die ersten Spritzen im August dieses Jahres fertig sein könnten. Die Anwendung werde aber erst später möglich sein.
Die Reiselust lässt nachWirtschaftskrise und Schweinegrippe wirken sich negativ auf die Reiselust aus. Nach UN-Angaben ging der internationale Tourismus im ersten Quartal dieses Jahres um acht Prozent zurück. Zwischen Januar und April zog es weltweit 247 Millionen Urlauber ins Ausland, wie die Welttourismusorganisation (UNWTO) am Donnerstag mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 269 Millionen.
Den stärksten Nachfragerückgang verzeichnete Europa mit zehn Prozent, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum mit sechs Prozent und dem amerikanischen Kontinent mit fünf Prozent. Lediglich Afrika lockte im Vergleich zum Vorjahr drei Prozent mehr Touristen an. Für das gesamte Jahr 2009 erwartet die UNWTO einen Rückgang um vier bis sechs Prozent. Als Gründe führt sie die schlechtere wirtschaftliche Lage der Menschen, aber auch die Unsicherheit nach dem Ausbruch der Schweinegrippe an. (dpa/AP)