Bagdad konnte nur ein Feld losschlagen: 

netzeitung.deIraks Vergabe von Öllizenzen gefloppt

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Ölanlage im Irak (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ölanlage im Irak
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die erste Auktion von Ölförderlizenzen im Irak ist für die Regierung in Bagdad zum Reinfall geworden. Die irakischen Forderungen schreckten die meisten der zunächst bietenden ausländischen Firmen ab.

Das Interesse an den ersten zu vergebenden Ölförder-Lizenzen im Irak ans Ausland ist am Ende weit unter den Erwartungen geblieben. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP. Nach Angaben aus Wirtschaftskreisen hätten die finanziellen Vorstellungen der Interessenten und des Ölministeriums zu weit auseinander gelegen, hieß es.

Am Mittwoch hatte die irakische Regierung die erste Lizenz für einen ausländischen Konzern seit mehr als 30 Jahren gebilligt. Den Zuschlag erhielt der britische Konzern BP zusammen mit der staatlichen chinesischen Ölgesellschaft CNPC. Dabei geht es um die Förderung auf dem mit einer geschätzten Reserve von 17,7 Milliarden Barrel (je 159 Liter) größten Ölfeld Rumaila im Süden des Landes.

Die Regierung hatte allerdings für gut ein halbes Dutzend Öl- und Gasfelder 20-Jahres-Kontrakte angeboten. Und zunächst gab es auch eine ganze Reihe von ausländischen Interessenten. Doch am Ende fanden sich nur für Rumaila zwei Bieterkonsortien – neben dem um BP noch eines unter Führung des US-Konzerns Exxon Mobil.

Der große Rückzug
Der Grund für den Rückzieher: Die irakische Regierung hatte nur niedrige Zahlungen für zusätzlich gefördertes Öl – oberhalb einer gewissen Basisproduktion – angeboten, was für die meisten Firmen zu gering war. So bot Bagdad für Rumaila zwei Dollar pro Barrel. Darauf ließ sich BP schließlich ein, obwohl die Briten zunächst rund das Doppelte verlangt hatten. Exxon wollte sogar 4,80 Dollar pro Barrel.

Auch die «Financial Times» berichtete, die Forderungen der irakischen Führung seien kaum auf Resonanz gestoßen. So habe die britisch-niederländische Royal Dutch Shell ursprünglich für das Ölfeld Kirkuk geboten, wegen der Bedingungen dann aber den Rückzug angetreten. Auch ConocoPhillips, die chinesischen Konzerne CNOOC und Sinopec sowie der italienische Ölkonzern Eni hätten ursprüngliche Gebote wieder fallen lassen, so die «FT». So habe ein Konsortium um ConocoPhillips für die Entwicklung des Ölfeldes Bai Hassan geboten – zu einem Preis von 26,70 Dollar je Barrel. Der Irak wollte aber nur maximal vier Dollar zahlen.
Bremse für den Wiederaufbau
Als weiterer Grund für den Rückzieher der meisten zunächst interessierten Konzerne nennt die «FT» ungeklärte juristische Fragen, weil ein neues Ölgesetz, das die Vergabe von Öllizenzen an ausländische Unternehmen erlaubt, noch gar nicht beschlossen ist. Zudem beschäftigt die Sicherheitslage die Konzerne. Die Auktion fand just an dem Tag statt, an dem die US-Truppen die Kontrolle über die größeren Städte an die irakischen Behörden übergaben.

Damit wächst der Druck auf Iraks Ölminister Hussein al-Shahristani. Der Irak will mit Hilfe ausländischer Konzerne seine Rohölförderung auf vier Millionen Barrel pro Tag steigern, um mit den Einnahmen den Aufbau nach dem Krieg voranzubringen. Derzeit liegt der tägliche Ausstoß bei 2,4 Millionen Barrel. Insgesamt verfügt der Irak über Reserven im Volumen von etwa 115 Milliarden Barrel und ist damit das drittgrößte Ölland der Erde nach Saudi-Arabien und dem Iran.

Der Irak verfügt insgesamt über 80 Felder, die bisher aber nur teils erschlossen sind. 1972 wurde die Ölindustrie des Iraks verstaatlicht, was einer Enteignung der damals engagierten ausländischen Konzerne gleichkam. In den Jahrzehnten danach wurde die Ölindustrie heruntergewirtschaftet. (nz)