30.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die irakische Ölwirtschaft liegt nach Jahrzehnten von Krieg und Sanktionen am Boden.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während die Iraker den Abzug der amerikanischen Soldaten bejubeln, stehen die internationalen Ölkonzerne schon vor der Tür. Das Land mit den weltweit viertgrößten Vorkommen will seine Ölproduktion massiv steigern.
Die US-Armee geht und die Ölkonzerne kommen - so hat es sich die irakische Regierung vorgestellt. Am Dienstag wurden erstmals seit fast vier Jahrzehnten Öl-Lizenzen an ausländische Firmen vergeben. In einer live im Fernsehen übertragenen Versteigerung setzte sich als erster Bewerber ein von dem britischen Ölkonzern BP und dem chinesischen Unternehmen CNPC geführtes Konsortium durch. Das berichtete der britische Sender BBC News. Die Auktion dauert noch bis Mittwoch.
Die beiden Konzerne erwarben eine Lizenz für das südirakische Ölfeld Rumaila. Die Ölvorkommen werden dort auf etwa 17,7 Milliarden Barrel geschätzt. Über den Einstieg ausländischer Unternehmen will der Irak dringend gebrauchtes Geld für den Wiederaufbau erwirtschaften. Das irakische Ölministerium bietet Förderlizenzen für sieben Öl- und zwei Gasfelder. Die Verträge haben eine Laufzeit von 20 Jahren. Mehr als 30 Konzerne bewarben sich um die Lizenzen, darunter die Amerikaner ExxonMobil und Chevron, der franzöische Konzern Total und der britisch-niederländische Erdölriese Shell.
Da sich die irakischen Parteien bis jetzt noch nicht auf ein neues Öl-Gesetz verständigen konnten, muss die Regierung - und vielleicht auch das Parlament - anschließend noch über die Lizenzvergabe entscheiden. Das derzeit geltende Öl-Gesetz sieht keine Vergabe von Lizenzen an ausländische Konzerne vor.
Ehrgeizige Ziele Nach Jahrzehnten des Krieges und der Sanktionen ist die irakische Ölwirtschaft, die 1972 verstaatlicht wurde, völlig heruntergewirtschaftet. Obwohl die irakischen Ölreserven mit geschätzten 115 Milliarden Barrel als die viertgrößten der Welt gelten, liegt das Land mit seiner Förderquote nur auf Rang 13. Ziel der Iraker ist die Produktion in den nächsten fünf Jahren von 2,4 Millionen Barrel pro Tag auf mehr als vier Millionen zu erhöhen.
Am Dienstag zog auch ein Großteil der US-Truppen aus dem Irak ab. Sie übergaben den irakischen Behörden die Kontrolle über die größeren Städte, damit ist das Land selbst für seine Sicherheit verantwortlich. Die Iraker feierten den Abzug mit einem Feuerwerk, Partys, Musik und nationalistischen Reden. In Bagdad und Kerbela wurden Süßigkeiten auf den Straßen verteilt. Polizeibeamte fuhren mit geschmückten Autos durch die Stadt. Ministerpräsident Nuri Al-Maliki erklärte den 30. Juni zu einem Feiertag.
Die US-Truppen hatten gemäß dem im Dezember zwischen Bagdad und Washington vereinbarten Truppenabzugsabkommen bis zu diesem Dienstag Zeit, sich auf ihre Stützpunkte außerhalb der Ortschaften zurückzuziehen. Ende 2011 soll der Abzug vollständig beendet sein. (nz)