Nedas Verlobter meldet sich zu Wort: 

netzeitung.deDie Angst des iranischen Regimes vor Neda

 Herausgeber: netzeitung.de

Neda ist zum Gesicht des iranischen Widerstandes geworden, auch wenn die Umstände ihres Todes nicht überprüfbar sind. Im Internet kursieren Bilder der jungen Frau und ihr Verlobter schildert auf Youtube ihre letzten Minuten.

Für die Opposition im Iran ist sie bereits zum Symbol des Widerstandes gegen die Wiederwahl von Staatschef Mahmud Ahmadinedschad geworden: Die junge Iranerin Neda Agha-Soltan, die von den berüchtigten Bassidsch-Milizen am Rande einer Demonstration in Teheran erschossen worden sein soll.

Die Echtheit des verstörenden Handy-Filmes, der am Wochenende in Windeseile über Internetnetzwerke wie Facebook, Twitter und Youtube verbreitet wurde, lässt sich noch immer nicht bestätigen. Die Informationen über die Umstände ihres Todes sind so lückenhaft und widersprüchlich wie die inzwischen veröffentlichen Details aus ihrem Leben.

In manchen Medien und Netzwerken heißt es, Neda sei eine 19-jährige Musikstudentin, die mit ihrem Vater die Demonstration in Teheran nur beobachtet habe. Andere wiederum sagen, Neda sei eine 26 Jahre alte Philosophie-Studentin, die in einem Reisebüro gejobbt und am Rande der Demonstration ebenfalls Parolen gerufen habe.
Neda wollte einfach nur Freiheit für jeden
Auf Youtube tauchte am Dienstag ein Video des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira auf, in dem Nedas Verlobter, der 37-jährige Caspian Makan, über die Umstände ihres Todes spricht: Sie sei mit ihrem Musiklehrer im Auto unterwegs gewesen, erzählt er mit erstickter Stimme. Die beiden seien mit dem Wagen mitten in die Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten geraten. Neda sei aus dem Auto gestiegen. Sie habe telefoniert, dann seien die tödlichen Schüsse gefallen. Die Kugeln hätten ihr Herz und ihre Lunge getroffen. In wenigen Sekunden war sie tot.

Nach Aussage Makans hat Neda keinem der beiden Lager angehört. Sie habe weder Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi unterstützt noch Präsident Ahmadinedschad. «Neda wollte einfach nur Freiheit, Freiheit für jeden», so Makan. Sie habe für die Protestbewegung jedoch Sympathie empfunden.
Wer tötete Neda
Völlig unklar ist bislang auch, wer die junge Frau getötet hat. Makan behauptet in dem Video, Neda sei von Angehörigen der berüchtigten Bassidsch-Milizen erschossen worden. Doch auch das ist nicht überprüfbar. Die Berichte sind widersprüchlich: In manchen Quellen heißt es, ein Motorradfahrer habe die junge Frau geschossen, andere sagen, ein Scharfschütze hätte von einem Dach aus auf sie gefeuert.

Inzwischen sei die junge Frau in aller Stille von ihrer Familie beigesetzt worden. Das sagte ein Mann, der sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa am Telefon als Verwandter von Neda ausgab. Die Identität des Mannes konnte nicht bestätigt werden. Eine Trauerfeier für die Verstorbene in der Moschee sei untersagt worden. Offenbar sollen auch alle anderen Moscheen in Teheran gewarnt worden sein, an Neda zu gedenken.
Enorme Wirkung - vor allem im Ausland
Trotz aller Widersprüchlichkeit haben die verstörenden, verwackelten Aufnahmen von Nedas Sterben haben eine enorme Wirkung, meint Iran-Experte Henner Fürtig vom Hamburger Leibniz-Institut für globale und regionale Studien. Ihre Wirkung erzielten die Bilder eher im Ausland, wo sie anders als im Iran frei empfangbar sind und von Millionen Menschen gesehen werden. In dem islamischen Land selbst sind Seiten wie Facebook, Twitter oder auch die von Oppositionellen gesperrt. SMS-Nachrichten funktionieren seit einigen Wochen nicht mehr. Das Mobilfunknetz wurde blockiert, SMS-Nachrichten, neben Netzwerken wie Facebook und Twitter eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Opposition, funktionieren schon lange nicht mehr.

Für das Web ediert von Michaela Duhr