«Dass er so klar gewinnt, ist schon eigenartig»:
Zweifel an Ahmadinedschads Triumph
«Keiner hat es ausgeschlossen, dass Ahmadinedschad als Amtsinhaber die Wahlen gewinnen könnte, aber dass er so klar gewinnt, ist schon eigenartig», sagte ein Wahlbeobachter. Der Westen muss sich nun darauf einstellen, dass der Iran weiterhin nicht nur beim Streit um das iranische Atomprogramm ein schwieriger Partner bleiben dürfte.
Laut Innenministerium kam Ahmadinedschad auf 62 Prozent, Mussawi nur auf 33,7. Der Herausforderer ist sich aber sicher, dass er die absolute Mehrheit erhalten hat. «Genauso sehe ich das auch», sagte ein iranischer Journalist. Beobachter gehen davon aus, dass Ahmadinedschad schon wegen der gescheiterten Wirtschaftsreformen weniger Stimmen hätte bekommen müssen. «Man kann ja ideologisch mit ihm auf der gleichen Wellenlänge sein, aber es kann doch nicht angehen, dass die Leute froh darüber sind, dass es im Land Rezession und hohe Inflation gibt, und der Regierung dafür mit ihren Stimmen noch danken», sagte ein Professor einer Teheraner Universität.
Nun muss sich der Westen damit arrangieren, dass Ahmadinedschad das Land noch vier weitere Jahre regieren wird. Im Vorfeld der Wahlen sagte er, dass es im Atomstreit keine weiteren Gespräche mit den fünf Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland geben werde. Er würde den Weltmächten lediglich ein Paket übergeben, dass sich hauptsächlich mit seiner Vision eines Weltfriedens und der weltweiten atomaren Abrüstung befasst. «Daran werden wir kein großes Interesse haben, solange das Thema Iran und Atomwaffen nicht vom Tisch ist», sagte ein Diplomat in Teheran. Mit Mussawi als Präsident hatten beide Seiten auf mehr diplomatische Flexibilität gehofft.
Ahmadinedschad wird es jedoch in der zweiten Amtsperiode auch innenpolitisch nicht leicht haben. Dem ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani warf er in einer Fernsehdebatte Korruption vor, die Atompolitik seines Vorgängers Mohammed Chatami und dessen Kompromissbereitschaft mit dem Westen bezeichnete er als «Schande». Außerdem wird ihn wohl auch Mussawi nicht so einfach in Ruhe lassen. «Ich habe nichts als die Unterstützung des Volkes, aber mit dieser Unterstützung werde ich bis zum Ende gehen», sagte der Verlierer in der Wahlnacht. (Von Farshid Motahari, dpa)
