11.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
«Ich bin hier, weil Italien sich entschuldigt hat»
Er kam mit 300 Gefolgsleuten, mit einem Beduinenzelt und einem provokanten Foto: Libyens Staatschef el Gaddafi macht es seinen Gastgebern in Italien nicht leicht. Doch gilt der Besuch als Höhepunkt der Annäherung beider Länder.
Der Besuch von Libyens Revolutionsführer und Staatschef Muammar el Gaddafi wird einerseits von Protesten begleitet – andererseits von den Verspätungen Gaddafis. Schon am Mittwoch hatte der erste offizielle Besuch in Italien eine Stunde nach dem Ursprungstermin begonnen.
Und auch am Donnerstag kam der libysche Besuch verspätet an: Erst gegen Mittag traf er am Sitz des Senatspräsidenten ein, um nach einem Gespräch mit Renato Schifani dort eine Rede zu halten. Nach starkem Druck linker Senatoren war Gaddafi von der zweiten Kammer des Parlaments wieder ausgeladen worden. Ursprünglich sollte er im Sitzungssaal des Senats sprechen. Dies nahmen die Fraktionschefs jedoch am Vorabend wieder zurück.
Begrüßt wurde Gaddafi von Senatoren der Anti-Korruptionspartei «Italien der Werte» (Idv), die ihm unter Anspielung auf libysche Menschenrechtsverletzungen den unakademischen Titel «Laurea Horribilis Causa» verleihen wollten.
Ex-Kolonialmacht ItalienDie dreitägige Visite Gaddafis wird von italienischer Seite als «historischer» Höhepunkt der Wiederannäherung zwischen der Ex-Kolonialmacht Italien und dem nordafrikanischen Ölstaat gewertet.
«Ich bin hier am heutigen Tag, weil Italien sich entschuldigt hat», hatte Gaddafi nach einem Treffen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano am Mittwoch gesagt. «Denn der materielle Wert der italienischen Entschädigungszahlungen würde niemals dem entsprechen, was Italien am libyschen Volk verbrochen hat.» Die Grundlage für seinen ersten offiziellen Besuch in Italien seit der Machtübernahme vor 40 Jahren hatte der Revolutionsführer mit Premierminister Silvio Berlusconi im Herbst 2008 mit einem Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit gelegt. Silvio hatte den Libyer denn auch herzlich am Flughafen in Empfang genommen.
«Mutige Generation der Italiener»Gaddafi lobte die «mutige Generation der Italiener, die dieses neue Kapitel der Freundschaft» ermöglicht habe. Napolitano sprach vom «Beginn einer neuen Ära». Italien hatte sich in dem «Freundschaftsvertrag» verpflichtet, Tripolis fünf Milliarden Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro) Entschädigung für die Kolonialzeit zu zahlen und setzt seinerseits auf eine verstärkte energiepolitische Kooperation. Das Geld fließt in Bauvorhaben in Libyen, die von italienischen Firmen ausgeführt werden.
Der Revolutionsführer hatte es seinen Gastgebern dabei nicht leicht gemacht: Er hatte sich bei der Begrüßung das provokante Foto eines «Helden» des anti-italienischen Widerstands in Libyen an die Uniform geheftet. Außerdem brachte er einen gebrechlichen Nachkommen dieses in Libyen als Widerstandsführer verehrten «Löwen der Wüste» Omar al Muktar mit. Sein traditionelles Beduinenzelt hat der Revolutionsführer in dem weitläufigen Park der Villa Pamphili aufgeschlagen. Dort kann er Gäste empfangen. Presseberichten zufolge ist er mit einem 300- köpfigen Gefolge angereist. (dpa/nz)