Ergebnisse in den einzelnen Staaten:
EU-Wähler strafen ihre Regierungen ab
07.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
In Ungarn gab es nach ersten Prognosen einen massiven Rechtsruck. Der oppositionelle national-konservative Bund Junger Demokraten (FIDESZ) gewann demnach mindestens viermal so viele Mandate wie die regierende Ungarische Sozialistische Partei (MSZP). Als einzige weitere Partei soll außerdem die rechtsextreme Jobbik (Die Besseren) die Fünfprozent-Hürde übersprungen haben.
In Irland, Österreich, Griechenland, den Niederlanden, Bulgarien, Slowenien und Malta verpassten die Wähler laut Prognosen ihrer nationalen Regierung einen Denkzettel. Für Großbritanniens angeschlagenen Premierminister Gordon Brown und seine Labour-Partei wurde ein komplettes Debakel erwartet.
Gegen den Trend war in Polen war die Regierungspartei erfolgreich. Die konservative Bürgerplattform von Ministerpräsident Donald Tusk kam nach dem Ergebnis einer Wählernachfrage auf 45,3 Prozent der Stimmen. Die nationalkonservative Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit erhielt demnach 29,5 Prozent. Auf die Demokratische Linksallianz entfielen 12 Prozent. Auf dem vierten Platz rangiert die Polnische Volkspartei (PSL), der Juniorpartner der Bürgerplattform in der Regierung, mit 7,9 Prozent.
In Griechenland gewannen die oppositionellen Sozialisten nach einer Prognose des Staatsfernsehens (NET) mit etwa 37 Prozent die Wahl, wie auch in Malta. Dort entfielen rund 55 Prozent der Stimmen auf die Sozialisten. Die regierende bürgerliche Nea Dimokratia (ND) landete in Griechenland bei 34 Prozent. Bulgariens bürgerliche Oppositionspartei GERB wurde nach einer Prognose des Gallup-Instituts mit 26,5 Prozent stärkste Fraktion. Die regierenden Sozialisten (Ex- Kommunisten) kamen auf lediglich 19 Prozent.
In Großbritannien gilt das Votum als Test für die im Spesenskandal ins Wanken geratene Regierung von Brown. In den vergangenen Tagen traten reihenweise Kabinettsmitglieder zurück. Premierminister Brown wehrte sich jedoch bis zum Sonntag erfolgreich gegen Rücktrittsforderungen auch aus seiner eigenen Labour-Partei.
Einen Erfolg konnte die slowakische Regierungspartei Smer- Sozialdemokratie von Ministerpräsident Robert Fico verbuchen. Sie erhielt nach inoffiziellen vorläufigen Ergebnissen 30 Prozent der Stimmen - doppelt so viele wie die stärkste Oppositionspartei. In Zypern triumphierten nach ersten Meldungen die Parteien, die sich für eine Wiedervereinigung der geteilten Insel einsetzen. In Bulgarien wurden neue Fälle von Stimmenkauf gemeldet. Dabei soll eine Wählerstimme bis zu 40 Lewa (20 Euro) gekostet haben, berichtete der bulgarische Staatsrundfunk aus dem Süden des Landes. Auch in Rumänien war die Wahl überschattet von Vorwürfen der versuchten Wahlfälschung.
Das Europaparlament ist eine Schlüsselinstitution der Europäischen Union und hat weitreichende Rechte bei der EU-Gesetzgebung. Der Vertrag von Nizza sieht 99 der 736 Sitze im Europaparlament für Deutschland vor. Das ist die größte nationale Abordnung in Straßburg. (dpa)

