US-Präsident im Orient:
Obama lächelt Osama in Grund und Boden
Die Pessimisten unter den Terrorexperten mögen nun glauben, die Hassbotschaften von Osama bin Laden und seinem Vize Eiman al-Sawahiri, die von Al Qaeda pünktlich zum Auftakt der Reise des US-Präsidenten veröffentlicht wurden, seien ein Beweis dafür, dass die militanten Islamisten ihren «Feldzug gegen die Kreuzritter und Ungläubigen» in jedem Fall fortsetzen werden, egal welche politische Richtung der Westen wählt. Wer optimistisch ist, kann die Schimpftiraden der Terroristen auf den US-Präsidenten aber auch als Beleg dafür werten, dass die Al-Qaeda-Spitze befürchtet, dass ihre Anhängerschaft jetzt, wo ein lächelnder Obama die arabische Welt besucht, um den Muslimen «Respekt» und einen «Dialog von gleich zu gleich» anzubieten, schrumpfen könnte.
Noch während der US-Präsident von Washington nach Riad flog, tauchte auf Islamisten-Websites eine Audio-Botschaft von Al-Qaeda-Vize al-Sawahiri auf. Darin beschimpfte er Obama als «Verbrecher», der mit der Führung des «Folterstaates» Ägypten unter einer Decke stecke. Wenige Stunden später wurde dann auch noch eine Botschaft veröffentlicht, die Bin Laden zugeschrieben wird. Dieser warf dem US-Präsidenten vor, er verfolge die gleiche verfehlte Politik wie sein Vorgänger Bush.
Obwohl seine Erfahrungen mit betagten arabischen Monarchen noch sehr gering sind, findet Obama gegenüber König Abdullah dann doch noch den richtigen Ton. Er lobt die «Weisheit und Zuvorkommenheit» des 84-Jährigen, der den Titel «Hüter der heiligen Stätten» des Islam trägt und der wegen seiner pro-westlichen Politik aus Sicht der Al-Qaeda-Terroristen genauso zu den «Ungläubigen» gehört wie Obama. Der König, der 2007 als erster Herrscher von Saudi-Arabien den Papst besucht hat, bedankt sich anschließend höflich für die «freundlichen Worte».
Doch allen Muslimen und Arabern wird es Obama nicht recht machen können. Einige Menschenrechtsgruppen nehmen es ihm übel, dass er Riad und Kairo überhaupt besucht, weil sie darin eine «Pseudo-Legitimation» für zwei undemokratische Regime sehen. Der Vorsitzende der linken ägyptischen Protestbewegung Kifaja («Es reicht!») erklärt wenige Stunden vor der erwarteten Ankunft Obamas, die Tatsache, dass der US-Präsident nach Kairo komme, zeige, «dass man die US-Politik nicht ändert, indem man eine Person auswechselt, ihre Priorität ist und bleibt die Unterstützung Israels und der arabischen Diktaturen, die mit Washington verbündet sind».
Erwartet werden in seiner weltweit übertragenen Rede eine deutliche Absage an den Gedanken, es könnte einen «Kampf der Kulturen» geben, sowie eine deutliche Distanzierung von der israelischen Siedlungspolitik. Im Anschluss wird der US-Präsident nach Deutschland weiterreisen. Am Freitag trifft er mit Kanzlerin Angela Merkel in Dresden zusammen, bevor er am Wochenende in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnimmt. (Anne-Beatrice Clasmann, dpa/dpa/nz)
