US-Präsident im Orient: 

netzeitung.deObama lächelt Osama in Grund und Boden

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US-Präsident im Orient 

Lupe Obama lächelt Osama in Grund und Boden

Begleitet von Störversuchen von Al Qaeda hat die mit Spannung erwartete Nahost-Reise des US-Präsidenten begonnen. Das Terror-Netzwerk versucht offenbar, die Muslime gegen Obama aufzuwiegeln, der sein Dialog-Angebot aufrechterhält.

Am ersten Tag seiner orientalischen Reise kommt es für US-Präsident Barack Obama gleich knüppeldick. Bin Laden und Co. schicken ihm aus dem terroristischen Untergrund einen Strauß übler Verwünschungen. Ein heißer Wüstenwind weht über die arabische Halbinsel. Das steife Protokoll des saudischen Königshauses zwängt ihn so ein, dass Obama kaum Gelegenheit findet, zwischen bitterem Kaffee und würdevollen Prinzen seinen vielgerühmten Charme zu versprühen.

Doch der US-Präsident lächelt an diesem sonnigen Juninachmittag in Riad konsequent alles nieder, was ihm in die Quere kommt. Seine seit Wochen vorbereitete Offerte an die Muslime, die sich mit Amerika versöhnen sollen, will er sich nicht kaputt machen lassen.

Die Pessimisten unter den Terrorexperten mögen nun glauben, die Hassbotschaften von Osama bin Laden und seinem Vize Eiman al-Sawahiri, die von Al Qaeda pünktlich zum Auftakt der Reise des US-Präsidenten veröffentlicht wurden, seien ein Beweis dafür, dass die militanten Islamisten ihren «Feldzug gegen die Kreuzritter und Ungläubigen» in jedem Fall fortsetzen werden, egal welche politische Richtung der Westen wählt. Wer optimistisch ist, kann die Schimpftiraden der Terroristen auf den US-Präsidenten aber auch als Beleg dafür werten, dass die Al-Qaeda-Spitze befürchtet, dass ihre Anhängerschaft jetzt, wo ein lächelnder Obama die arabische Welt besucht, um den Muslimen «Respekt» und einen «Dialog von gleich zu gleich» anzubieten, schrumpfen könnte.

Al Qaeda nennt Obama «Verbrecher»
Denn, da sind sich alle arabischen Beobachter einig: Als Feindbild für die Islamisten war Ex-Präsident George W. Bush viel besser geeignet, weil er immer von Terror sprach, wenn es um die Palästinenser in den besetzten Gebieten ging. Außerdem hatte er 2003 die US-Armee in den Irak geschickt, um dort Massenvernichtungswaffen und Terroristen zu finden, die es dort gar nicht gab.

Noch während der US-Präsident von Washington nach Riad flog, tauchte auf Islamisten-Websites eine Audio-Botschaft von Al-Qaeda-Vize al-Sawahiri auf. Darin beschimpfte er Obama als «Verbrecher», der mit der Führung des «Folterstaates» Ägypten unter einer Decke stecke. Wenige Stunden später wurde dann auch noch eine Botschaft veröffentlicht, die Bin Laden zugeschrieben wird. Dieser warf dem US-Präsidenten vor, er verfolge die gleiche verfehlte Politik wie sein Vorgänger Bush.

Lob im richtigen Ton
Abdullah, der betagte König von Saudi-Arabien, ließ es sich trotz Temperaturen um die 40 Grad nicht nehmen, Obama am Flughafen von Riad vor der Präsidentenmaschine Air Force One zu empfangen. Ihr anschließendes Gespräch drehte sich nach saudischen Angaben unter anderem um den Nahostkonflikt, das iranische Atomprogramm und die jüngste Achterbahnfahrt der Ölpreise.

Obwohl seine Erfahrungen mit betagten arabischen Monarchen noch sehr gering sind, findet Obama gegenüber König Abdullah dann doch noch den richtigen Ton. Er lobt die «Weisheit und Zuvorkommenheit» des 84-Jährigen, der den Titel «Hüter der heiligen Stätten» des Islam trägt und der wegen seiner pro-westlichen Politik aus Sicht der Al-Qaeda-Terroristen genauso zu den «Ungläubigen» gehört wie Obama. Der König, der 2007 als erster Herrscher von Saudi-Arabien den Papst besucht hat, bedankt sich anschließend höflich für die «freundlichen Worte».

Doch allen Muslimen und Arabern wird es Obama nicht recht machen können. Einige Menschenrechtsgruppen nehmen es ihm übel, dass er Riad und Kairo überhaupt besucht, weil sie darin eine «Pseudo-Legitimation» für zwei undemokratische Regime sehen. Der Vorsitzende der linken ägyptischen Protestbewegung Kifaja («Es reicht!») erklärt wenige Stunden vor der erwarteten Ankunft Obamas, die Tatsache, dass der US-Präsident nach Kairo komme, zeige, «dass man die US-Politik nicht ändert, indem man eine Person auswechselt, ihre Priorität ist und bleibt die Unterstützung Israels und der arabischen Diktaturen, die mit Washington verbündet sind».

Rede in Kairo
Die Al-Qaeda-Terroristen versuchen derweil, die Muslime gegen Obama aufzuwiegeln. In der Audio-Botschaft, die al-Sawahiri zugeschrieben wird, heißt es: «Er ist nicht willkommen in Ägypten.» Höhepunkt der vierten Auslandsreise Obamas seit seinem Amtsantritt soll die «Rede an die islamische Welt» sein, die er am Donnerstag an der Kairo-Universität halten wird. Sie soll «einen Dialog» initiieren, der die «großen Missverständnisse» zwischen dem Westen und der islamischen Welt beseitige, hatte Obama in einem Interview der BBC gesagt.

Erwartet werden in seiner weltweit übertragenen Rede eine deutliche Absage an den Gedanken, es könnte einen «Kampf der Kulturen» geben, sowie eine deutliche Distanzierung von der israelischen Siedlungspolitik. Im Anschluss wird der US-Präsident nach Deutschland weiterreisen. Am Freitag trifft er mit Kanzlerin Angela Merkel in Dresden zusammen, bevor er am Wochenende in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnimmt. (Anne-Beatrice Clasmann, dpa/dpa/nz)