Pjöngjang will Interkontinentalrakete abschießen: 

netzeitung.deSeoul lässt vor Nordkorea Kriegsschiffe auffahren

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Pjöngjang will Interkontinentalrakete abschießen 

Lupe Seoul lässt vor Nordkorea Kriegsschiffe auffahren

Parallel zur Machtübergabe lässt das nordkoreanische Regime unter Kim Jong Il die Muskeln spielen. Trotz aller internationalen Proteste bereitet Pjöngjang offenbar weitere Raketenstarts vor.

Nordkorea heizt die internationalen Spannungen weiter an: Nach seinem Atomtest bereitet das kommunistische Land südkoreanischen Angaben zufolge neben einer Interkontinentalrakete offensichtlich mehrere Mittelstreckenraketen zum Abschuss vor. Es gebe Anzeichen für Testvorbereitungen von mindestens drei Mittelstreckenraketen von einer Startanlage an der Südostküste des Nachbarlandes, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag unter Berufung auf einen südkoreanischen Regierungsbeamten in Seoul.

Details waren zunächst nicht bekannt. Nordkoreas Mittelstreckenraketen gelten vor allem in Südkorea und Japan als unmittelbare Bedrohung, weil beide Länder in deren Reichweite liegen. Am Montag hatten südkoreanische Medien berichtet, Nordkorea treibe nach dem weltweit verurteilten Atomtest nun den Start einer Interkontinentalrakete voran, die theoretisch bis zum US-Bundesstaat Alaska fliegen kann. Es gebe Hinweise, dass entsprechende Vorbereitungen an einer neuen Startanlage an der Westküste getroffen werden.
Provokationen wegen Machtübergabe
Einige Beobachter bringen die fortlaufenden Provokationen des Regimes von Machthaber Kim Jong Il unter anderem mit der eingeleiteten Machtübergabe an seinen 26-jährigen Sohn Kim Jong Un zurück. Nach Informationen aus Südkorea hat Kim Jong Il die wichtigsten Institutionen seines Landes davon in Kenntnis gesetzt, dass sein jüngster Sohn seine Nachfolge antreten soll.

Mit dem zweiten Atomversuch und einer Serie von Abschüssen von Raketen mit kurzer Reichweite in Nordkorea in der vergangenen Woche hatten sich die Spannungen in der Region spürbar verschärft. Das Regime in Pjöngjang hatte zuvor weitere Atom- und Raketentests angedroht. Pjöngjang fühlt sich provoziert, weil der Weltsicherheitsrat den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete Anfang April verurteilt hatte. Im höchsten UN-Gremium wird zurzeit noch über eine Resolution zum Atomtest verhandelt. Am Dienstag kam es Seoul zu Demonstrationen gegen den militärischen Kurs des kommunistischen Nachbarn.
Reichweite bis zu 3000 Kilometern
Experten gehen davon aus, dass sich in Nordkoreas umfangreichem Raketenarsenal Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 3000 Kilometern befinden. Im Februar hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium berichtet, dass das kommunistische Regime neuartige Raketen mittlerer Reichweite aufstellen ließ, die neben Japan und der US-Pazifikinsel Guam auch die nördliche Spitze Australiens sowie große Teile Chinas und Russlands erreichen könnten.

Angesichts der wachsenden Spannungen verlegte die südkoreanische Marine ein Schnellboot mit Fernlenkwaffen in die Nähe der umstrittenen innerkoreanischen Seegrenze vor der Westküste. Zweck der Maßnahme sei es, Nordkorea von möglichen Provokationen abzuhalten, hieß es in einer Erklärung der Seestreitkräfte. Die lenkbaren Raketen auf dem Boot könnten Ziele in einer Entfernung von bis zu 140 Kilometern treffen.

Pjöngjang hatte Seoul in der vergangenen Woche wegen dessen Beitritt zu einer US-geführten Initiative gegen die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen mit Militäraktionen gedroht. Auch warnte die Volksarmee des Landes, dass die Sicherheit für südkoreanische und amerikanische Schiffe im Gelben Meer nicht mehr garantiert werden könne. (dpa)