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«Ich habe keine Zweifel»

30. Mrz 2001 18:11
Falun Gong-Anhängerin Julia Akbar
Foto: nz
«Falun Gong hat mein Leben verändert», sagen die Anhänger. Alles sei besser geworden. Dafür sind sie auch bereit, sich selbst aufzugeben.

Von Kai Biermann
 
Thema: Religion oder Sekte?
«Ich war immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich habe ihn gefunden, ich lebe jetzt die Prinzipien von Falun Dafa», sagt Julia Akbar. Sie ist 23, hat ein offenes Lächeln und kommt aus Hamburg. «Falun Gong hat mir so viel gebracht, ein harmonisches Leben, einen guten Schulabschluss. Ich glaube an das Gute und bin ruhiger geworden.»

Wie Julia Akbar klingen viele «Praktizierende». So nennen sich Falun Gong-Anhänger selbst. «Falun Gong hat mein Leben verändert», ist der häufigste Satz, der auf Veranstaltungen der Sekte zu hören ist. Durch die Übungen würde alles besser: Gesundheit, Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit, Konzentration.

Kostenlose Selbsthilfe

«Ich habe keine Zweifel, ich erfahre in jedem Moment meines Lebens, dass Falun Gong gut ist», sagt Julia Akbar. Sie ist eine der wenigen praktizierenden Nicht-Asiaten. Zu den offenen Übungsgruppen in Berlin, Hamburg oder Frankfurt kommen vor allem hier lebende Chinesen. Offenbar hat bisher die krude Lehre für Europäer keine große Anziehungskraft.

Julia Akbar lernte Falun Gong durch eine asiatische Freundin kennen: «Es hat mich überzeugt, dass ich die Übungen für mich machen kann und dass ich kein Geld dafür zahlen muss.»

«Das Ziel ist, dass sich jeder selbst hilft. Ich kann nicht jeden Tag zum Arzt gehen, wenn ich ein Problemchen habe. Ich finde, der bessere Weg ist, dass man sich selbst hilft», sagt die Chinesin Lei Zhou. Sie ist eines der wenigen «echten» Mitglieder, gehört zum «Deutschen Falun Dafa Verein».

Der Verein scheint so etwas wie das Rückrat der Organisation zu sein. Er hat wenige Mitglieder und wird von dem Ingenieur Man-Yan Ng geleitet. Offensichtliche Strukturen gibt es nicht, nur private Adressen.

Kein Zwang

Anhänger scheinen in dem Verein nicht Mitglied zu sein. Für sie gibt es lose organisierte Übungsgruppen. Sie treffen sich an bestimmten Orten wie dem Berliner Tiergarten an vereinbarten Tagen. Jeder kann kommen, der will. Offenbar gibt es keinen Zwang, irgendwo Mitglied zu werden.

«Es gibt keine Aufnahmekriterien bei Falun Gong, ich muss keinen Vertrag unterschreiben, um einzutreten. Jeder kann es machen«, sagt Lei Zhou. «Es gibt auch kein Ausschlussverfahren für jemanden, der sich nicht nach Falun Gong verhält.»

Auch sie ist überzeugt von der Wirkung der Lehre, beschreibt ausführlich, wie viel konzentrierter und leistungsfähiger sie geworden ist. Das läge nicht nur an den Übungen, sondern vor allem an den drei Prinzipien von Falun Gong: «Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht. Die Anforderung ist, dass alle Praktizierenden sich im Alltag nach diesen Werten richten», sagt Lei Zhou.

Selbstloser Einsatz

Das nehmen die Anhänger ernst. So ernst, dass sie dafür Verhaftung und Folter, Krankheit und Tod in Kauf nehmen: «Unser Lehrer hat uns immer gesagt, wir sollen selbstlos sein. Warum sollen wir nicht hingehen und die Wahrheit sagen, wenn wir sehen, dass jemand verfolgt wird», sagt Zhang Cuiying. Die australische Staatsbürgerin war so selbstlos. Sie ging im Februar 2000 nach China um der dortigen Regierung «einige Worte über Falun Gong» zu sagen.

Frau Zhang wurde verhaftet, weil sie auf einem öffentlichen Platz in Peking Falun Gong praktiziert hatte. Acht Monate saß sie im Gefängnis, wurde geschlagen, wurde mit Elektroschocks, Kälte und Schlafentzug gefoltert. Im Oktober 2000 kam sie frei und kehrte nach Sydney zurück.

Für Falun Gong reist sie jetzt durch die Welt und berichtet von den Folter-Methoden der chinesischen Regierung.

Keine Angst vor Folter

«Ich glaube, (...) wenn ihr das Leiden im Leiden durchstehen und das Unerträgliche aushalten könnt, dann werdet ihr sicherlich den Erfolg bei der Kultivierung erzielen», schreibt Li Hongzhi in seinem Buch «Falun Gong - Der Weg zur Vollendung». Leid sei «das Boot, um das grenzenlose Meer des großen Fa zu überqueren».

Auch Julia Akbar würde nach China gehen. «Ich hätte keine Angst», sagt sie.

 
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