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Wie man eine Sekte erkennt

30. Mrz 2001 17:49
Broschüre der evangelischen Beratungsstelle München
Foto: evang. Beratungsstelle München
Psychogruppen, uralte Religionen, Sekten: Der Markt mit Weltanschauungen ist riesig. Einige Tipps, um Gefahren zu erkennen.

Von Kai Biermann
 
Thema: Sekte oder Religion?
Auf den ersten Blick kann kaum jemand erkennen, ob eine neue Gruppe gefährlich oder harmlos ist. Beratungsstellen bieten Checklisten an: Schon wenn nur wenige Punkte zutreffen, raten Experten zur Vorsicht. Es könnte sich um eine Sekte handeln.

1. Bei der Gruppe findet man exakt das, was man bisher vergeblich gesucht hat. Sie weiß erstaunlich genau, was einem fehlt.

2. Schon der erste Kontakt eröffnet eine völlig neue Sicht der Dinge.

3. Das Weltbild der Gruppe ist verblüffend einfach und erklärt jedes Problem.

4. Es ist schwer, sich ein genaues Bild von der Gruppe zu machen. Man soll nicht nachdenken und prüfen. Die neuen Freunde sagen: «Das kann man nicht erklären, das muss man erleben – komm doch mit.»

5. Die Gruppe hat einen Meister, ein Medium, einen Führer oder Guru, der allein im Besitz der ganzen Wahrheit ist.

6. Die Lehre der Gruppe gilt als einzig echtes, ewig wahres Wissen. Die etablierte Wissenschaft, das rationale Denken, der Verstand werden als verkopft, als negativ, satanisch oder unerleuchtet abgelehnt.

7. Kritik durch Außenstehende wird als Beweis betrachtet, dass die Gruppe Recht hat.

8. Die Welt treibt auf eine Katastrophe zu und die Gruppe weiß, wie man die Welt retten kann.

9. Die Gruppe ist die Elite und die übrige Menschheit ist krank und verloren. Zumindest solange sie nicht mitmacht oder sich retten lässt.

10. Man soll sofort Mitglied werden.

11. Die Gruppe grenzt sich von der übrigen Welt ab, etwa durch Kleidung, Ernährungsvorschriften, eine eigene Sprache oder strenge Reglementierung zwischenmenschlicher Beziehungen.

12. Die Gruppe will, dass alle «alten» Kontakte abgebrochen werden, weil sie die Entwicklung behindern.

13. Sexualverhalten wird exakt vorgeschrieben, etwa Partnerwahl durch die Führung, Gruppensex oder auch totale Enthaltsamkeit.

14. Die Gruppe füllt die gesamte Zeit mit Aufgaben: Verkauf von Büchern oder Zeitungen, Werben neuer Mitglieder, Besuch von Kursen, Meditation ...

15. Es ist schwer, allein zu sein. Jemand aus der Gruppe ist immer dabei.

16. Bei Zweifeln, oder wenn sich der erwünschte Erfolg nicht einstellt, ist der Betroffene «selbst schuld», weil er sich angeblich nicht genug einsetzt oder nicht stark genug glaubt.

17. Die Gruppe verlangt strikte Befolgung ihrer Regeln und strenge Disziplin. Es ist der einzige Weg zur Rettung.

 
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