«Ein schrecklicher Schlag für Schwule und Lesben»: 

netzeitung.deKampf um Homo-Ehe in den USA voll entbrannt

 Herausgeber: netzeitung.de

Lesben in Schock nach der Urteilsverkündigung in San Francisco (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lesben in Schock nach der Urteilsverkündigung in San Francisco
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Unmittelbar nach der richterlich zurückgezogenen Homo-Ehe in Kalifornien geben sich Gegner und Anhänger kämpferisch. Beiden Seiten rüsten sich für die nächste Runde - und von Barack Obama ist dazu nichts zu hören.

Die obersten Richter in Kalifornien hatten kaum das Verbot der Homo-Ehe verkündet, da gingen die Proteste los. «Ein schrecklicher Schlag für Schwule und Lesben», wettert das National Center for Lesbian Rights. Schon rüstet sich die Schwulen-Bewegung für die nächste Schlacht, kündigte ein neues Referendum an, möglicherweise können die Kalifornier schon nächstes Jahr erneut zur Urne gehen.

«Wir haben keine Zeit zu trauern...», reagierte Rick Jacobs, Vorsitzender der Gruppe Courage Campaign. Stattdessen forderte er seine Mitstreiter auf, umgehend «in die Offensive zu gehen». Die Schwulen-Lobby schwört, bereits in Kürze mit TV-Werbespots zugunsten der Homo-Ehe zu beginnen. Auch die andere Seite gibt sich kampfbereit. «Wir müssen diesen Sieg sichern», meint Ron Prentice von der Organisation ProtectMarriage.com und bittet seine Anhänger um Geldspenden, um für die nächste Runde gerüstet zu sein.

Sollte es tatsächlich im nächsten Jahr wieder ein Referendum in Kalifornien geben, wäre es das dritte innerhalb von zehn Jahren zu dem Thema. Kaum ein anderer Streit in den USA ist derart weltanschaulich-religiös aufgeheizt, wird derart verbittert geführt. Verkehrte Welt: Während kürzlich ausgerechnet im Bundesstaat Iowa im konservativen Herzland der USA die gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen wurde, sagten nun die Richter im liberalen Kalifornien, das viele geradezu als die Wiege der internationalen Schwulenbewegung betrachten, Nein.

Zuvor hatten in den vergangenen Wochen mit Maine und Vermont zwei weitere Staaten den Bund fürs Leben für Lesben und Schwule erlaubt. Und die Welle geht weiter: Auch in New Hampshire, New York und New Jersey gibt es derartige Bestrebungen.

Zick-Zack-Kurs in Kalifornien
Einfach nachzuvollziehen ist das Urteil des Obersten Gerichtshofs in San Francisco nicht. Noch im Mai 2008 hatten die Richter mit knapper Mehrheit Homosexuellen das Recht zur Ehe zugesprochen. Jetzt, nach einem Referendum im vergangenen November, gilt dieses Recht nicht mehr. Bei dem Referendum hatten 52 Prozent der Wähler gegen die Homo-Ehe gestimmt. Die Richter erklärten das Referendum für gültig. Jetzt bleibt Schwulen und Lesben nur ein Trostpreis: Die rund 18.000 Ehen, die zwischen Mai und November 2008 geschlossen wurden, bleiben gültig.

Die Chancen, dass sich die Homo-Ehe in den ganzen USA durchsetzt, sind nicht unbedingt rosig. Rund 30 der 50 Bundesstaaten haben in ihren Verfassungen festgeschrieben, dass Ehe ausschließlich eine Sache zwischen Mann und Frau ist, wie die «Washington Post» schreibt. Dagegen scheint sich die Meinung der meisten Amerikaner zu drehen, vor allem unter den Jungen gibt es laut Umfragen bereits die klare Bereitschaft, Homo-Ehen zuzulassen.

Obama erst mal abgetaucht
Die Debatte könnte auch US-Präsident Barack Obama unter Druck setzten, wie die «New York Times« kürzlich meinte. Noch versucht es der Präsident, der bei den Wahlen von Schwulen und Lesben unterstützt wurde, mit einem Balanceakt. Er sei zwar als Christ gegen die Homo-Ehe, als Präsident aber ein «klarer Befürworter der Gleichheit». Vor allem die neu aufgeflammte Diskussion über Homosexuelle in der Armee könnte ihn in die Bredouille bringen.

Präsident Bill Clinton hatte Anfang der 90er Jahre die Regelung «Don't ask, don't tell» eingeführt - Schwulen und Lesben dürfen in der Armee dienen, so lange sie ihre sexuelle Ausrichtung nicht zu erkennen geben. Jetzt lehnen viele Homosexuelle das Versteckspiel ab, wollen sich offen bekennen. Noch im Wahlkampf hatte Obama gegen die «Schweige-Regel» gewettert – doch in der derzeitigen Debatte ist der Präsident, der ansonsten kein Thema auslässt, erst mal abgetaucht. (Peer Meinert, dpa)