25.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Nordkoreas Diktator Kim Jong Il
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Bevölkerung hungert, doch dem Regime ist die Hochrüstung wichtiger: Nordkorea hat mit einem zweiten Nukleartest die Weltgemeinschaft beunruhigt. Ein Überblick über das kommunistische Land und sein umstrittenes Atomprogramm.
Nordkorea hat am Montag mit einem neuen Atomtest die internationale Staatengemeinschaft herausgefordert. Nach amtlichen Angaben aus der Hauptstadt Pjöngjang zündete der kommunistische Staat unterirdisch einen nuklearen Sprengsatz. Die Explosion war den Angaben zufolge deutlich stärker als beim ersten Atomtest im Oktober 2006. Die russische Regierung bestätigte den Atomwaffentest und schätzte die Stärke auf zehn bis 20 Kilotonnen vergleichbar den US-Atombomben, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Hiroshima und Nagasaki zerstörten.
Nordkoreas Atomprogramm gilt zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region und beschäftigt die internationale Gemeinschaft schon seit Jahren. Im Februar 2007 sagte Nordkorea die Schließung des Atomzentrums in Yongbyon, 90 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt, zu. Im Gegenzug erhielt das Land Wirtschafts- und Energiehilfen.
Wegen Differenzen um die Überprüfung des Nuklearprogramms und nach heftiger Kritik an einem Raketenstart Pjöngjangs brach Nordkorea im April 2009 weitere internationale Atomgespräche ab, erklärt die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA für beendet und kündigt neue Raketen- und Atomtests an. Die IAEA stuft Nordkorea als Atomwaffenstaat ein. Die Größe des Nukleararsenals in der kommunistischen Diktatur ist ein streng gehütetes Geheimnis des abgeschotteten Staates.
Sprengkraft gegenüber erstem Test verzehnfachtAuf die Stärke nordkoreanischer Atombomben kann nur über die Heftigkeit der Detonation bei Atomtests geschlossen werden. Die Sprengkraft von Atombomben wird durch den Vergleich mit dem Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT) bestimmt. Die Vernichtungswirkung wird üblicherweise in Kilotonnen oder Megatonnen TNT angegeben. Der erste nordkoreanische Atomtest im Oktober 2006 wurde auf eine Sprengkraft von maximal einer Kilotonne geschätzt. Der am Montag unternommene zweite Atomtest hatte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums die Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen.
Zum Vergleich: Die Bombe, die im Zweiten Weltkrieg die japanische Stadt Hiroshima vernichtete, enthielt etwa 15 Kilogramm radioaktives Uran 235 und hatte eine Explosivkraft von 12,5 Kilotonnen TNT. Die Nagasaki-Bombe traf mit einer Wucht von 22 Kilotonnen. Die im November 1952 gezündete erste US-Wasserstoffbombe war mit zehn Megatonnen etwa 700 mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima. Die Sowjetunion zündete 1961 eine 58-Megatonnen Wasserstoffbombe. Das entspricht 58 Milliarden Kilo TNT.
Rüstung wichtiger als NahrungNordkorea unterhält mit schätzungsweise 1,19 Millionen Soldaten eine der größten Armeen Asiens, es besitzt ein großes Arsenal chemischer und biologischer Waffen. Zugleich aber ist das Land bitterarm und wird immer wieder von Hungersnöten erschüttert. Während sich der einst arme Süden der koreanischen Halbinsel zu einer wohlhabenden Demokratie entwickelte, ruinierte die Misswirtschaft den an Bodenschätzen reichen Norden.
Die meisten der mehr als 23 Millionen Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Zwangswirtschaft, Unwetter und Missernten ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Weite Teile der Bevölkerung sind weiterhin von internationaler Hilfe abhängig. Trotzdem haben die Ausgaben für das Militär Vorrang. Rund zwei Millionen Einwohner leben in der Hauptstadt Pjöngjang. Stromabschaltungen gehören zum Alltag, selbst in der bevorzugten Hauptstadt hat die Bevölkerung seit Jahren kein heißes Wasser und selten Heizung.
Mit 122.000 Quadratkilometern ist das kommunistische Land etwa so groß wie die frühere DDR. Der abgeschottete Staat zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt. An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur steht seit 1994 der «Geliebte Führer» Kim Jong Il.
Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung, «Ewiger Präsident» genannt, war die «Demokratische Volksrepublik Korea» 1948 gegründet worden. Staatspartei ist die 1945 gegründete Partei der Arbeit Koreas, die mit zwei Blockparteien eine «Einheitsfront» bildet. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) gibt es noch immer keinen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. (nz/dpa/AP)