Studie deckt Gewalt an katholischen Schulen auf:
Irische Schüler massenhaft missbraucht
20.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Irland wirkt friedlich, die Studie deckt das Unfriedliche darunter auf
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ordensführer haben die Vorwürfe als Übertreibungen zurückgewiesen. Doch die Aussagen hunderter traumatisierter Ex-Schüler erschüttern Irland: Schläge, Belästigung und Vergewaltigung mussten sie über sich ergehen lassen.
Tausende von Kindern sind in katholischen Schulen Irlands jahrzehntelang geschlagen, gedemütigt und vergewaltigt worden. Das geht aus dem Bericht einer Kommission hervor, die am Mittwoch nach neunjähriger Arbeit ihre Ermittlungen vorlegte.
Staatliche Kontrolleure hätten es von den 30er bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein versäumt, die chronischen Misshandlungen zu unterbinden. Für den 2600 Seiten umfassenden Bericht wurden tausende ehemalige Schüler und ehemaliges Personal der mehr als 250 von der katholischen Kirche betriebenen Einrichtungen befragt.
In die Berufsschulen, Besserungsanstalten, Waisenhäuser und Herbergen wurden in den sechs Jahrzehnten des Berichtszeitraums mehr als 30.000 Kinder eingewiesen, die als Taschendiebe und Schulschwänzer galten oder deren Familien als zerrüttet galten. Vor allem in Jungenschulen des Ordens Christian Brothers seien Belästigung und Vergewaltigung an der Tagesordnung gewesen, heißt es in dem Bericht.
«Ritualisierte Form des Schlagens»Mädchen in meist vom Orden der Barmherzigen Schwestern betriebenen Schulen seien weniger sexuell belästigt worden, hätten aber regelmäßig Schläge und Demütigungen über sich ergehen lassen müssen, die ihnen ihre Wertlosigkeit vor Augen führen sollten.
«In einigen Schulen war eine ritualisierte Form des Schlagens Routine... Mädchen wurden mit Utensilien auf alle Körperteile geschlagen, die für die Verursachung maximaler Schmerzen konstruiert wurden. Persönliche Herabsetzung und Verunglimpfung der Familie waren weit verbreitet», heißt es in dem Bericht.
Die meisten Ordensführer haben die Vorwürfe als Übertreibungen und Lügen zurückgewiesen. In vielen Aussagen hieß es, die Verantwortung für Missbräuche falle allein seit langem verstorbenen Personen zu. Der in fünf Bänden vorgelegte Bericht folgt dagegen meist den Aussagen ehemaliger Schüler, die heute zwischen 30 und 80 Jahre alt und noch immer traumatisiert sind. Er folgert, dass viele Schulleiter rituelles Schlagen ermutigten und Pädophile vor Strafverfolgung schützten.
«Ein Klima der Angst»«Ein Klima der Angst, hervorgerufen von allgegenwärtiger, exzessiver und willkürlicher Bestrafung, durchdrang die meisten Institutionen - und alle für Jungen. Die Kinder lebten mit dem täglichen Schrecken nicht zu wissen, warum sie das nächste Mal geschlagen werden.» Dies gehe aus fast allen Aussagen der befragten Männer und Frauen hervor, die diese Schulen durchmachen mussten, schreibt die Kommission. Sie hätten zweifelsfrei ein Bild ergeben, nach dem das gesamte Schulsystem Kinder eher wie Häftlinge und Sklaven denn als Menschen mit Rechten und Potenzial behandelt habe. (Shawn Pogatchnik, AP)