03.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Piraten-Schnellboot im Golf von Aden
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die somalischen Piraten weiten ihren Aktionsradius aus und haben nun auch vor den Seychellen einen griechischen Frachter in ihre Gewalt gebracht. Zwei weitere Angriffe wurden zurückgeschlagen.
Die französische Marine hat vor Somalia elf mutmaßliche Piraten festgenommen. Das bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Sonntag in Paris.
Die Piraten seien mit zwei schnellen kleinen Booten und einem sogenannten Mutterschiff unterwegs gewesen. Zu ihrer Bewaffnung habe unter anderem ein Raketenwerfer gehört. Die Fregatte «Nivôse» habe die Boote 900 Kilometer vor der Küste Somalias aufgebracht. Nähere Details waren zunächst nicht bekannt.
Unterdessen vereitelte die Besatzung einer portugiesischen Fregatte im Golf von Aden einen Piratenüberfall auf einen norwegischen Öltanker. Die Soldaten nahmen 19 Männer fest und stellten nach Nato-Angaben Sprengstoff, Schnellfeuergewehre und Panzerabwehrgranaten sicher. In Absprache mit den zuständigen portugiesischen Behörden und nach geltendem Recht seien die mutmaßlichen Piraten aber wieder freigelassen worden, weil sie keine Portugiesen oder Eigentum des Landes angegriffen hätten.
Griechisches Schiff gekapertErst in der Nacht zu Samstag hatten Piraten vor der somalischen Küste erneut einen Frachter in ihre Gewalt gebracht. Die Seeräuber überfielen die unter maltesischer Flagge fahrende «Ariana» mit 23 ukrainischen Besatzungsmitgliedern an Bord, wie Nato-Sprecher Alexandre Santos Fernandes mitteilte.
Der Frachter sei nordwestlich der Seychellen gekapert worden, rund 1.600 Kilometer außerhalb des Einsatzgebietes der Nato. Die griechischen Eigentümer erhielten zunächst keine Lösegeldforderung. Von der aus 24 Ukrainern bestehenden Mannschaft des mit 35.000 Tonnen Lebensmitteln beladenen Schiffes wurde nach den vorliegenden Informationen niemand verletzt, wie ein Sprecher der Reederei sagte. Zunächst hatte es geheißen, es handele sich um ein britisches Schiff.
Fünf Millionen Euro LösegeldDie Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, der die von Piraten entführte «Hansa Stavanger» gehört, hat nach «Focus»-Informationen inzwischen Kontakt zu den Piraten aufgenommen. Verhandelt werde über eine Lösegeldsumme von knapp fünf Millionen US-Dollar. Das Boot liegt zurzeit vor Haradere in einem der von Piraten kontrollierten Häfen von Nordsomalia.
Zuvor war offensichtlich ein geplanter Einsatz der Anti-Terroreinheit GSG 9 kurzfristig abgebrochen worden, wie Medien berichteten. Die Geheimoperation der 200 Mann starken Spezialeinheit sei Mitte der Woche wegen zu hoher Risiken für das Leben der 24 Geiseln und der Polizisten eingestellt worden.
17 Schiffe gekapert Die Piraten an Bord des am 4. April entführten Hamburger Containerschiffs, an dem sich auch fünf deutsche Crewmitglieder befinden, hatten nach «Focus»-Informationen die Wachen verdoppelt und jede Schiffsbewegung vor der Küste beobachtet. Nach Angaben des «Spiegel» war die Spezialeinheit von einem amerikanischen Hubschrauberträger bereits in die Nähe des Frachters transportiert worden, ehe sie am Mittwochabend zurückbeordert wurde.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, man nehme zu diesen Medienberichten nicht Stellung. Der Krisenstab arbeite jedoch «unverändert intensiv» an der Freilassung der Geiseln. Derzeit haben die somalischen Piraten 17 Schiffe und rund 300 Seeleute in ihrer Gewalt. Etwa ein Drittel der Gefangenen stammt von den Philippinen. (AP/dpa/nz)