30.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Nur noch wenige Airlines fliegen Mexiko derzeit an.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Unter den europäischen Gesundheitsministern herrscht Uneinigkeit über die richtige Antwort auf die Mexikanische Grippe. Deutschland und Spanien lehnen Reisebeschränkungen als unnütz ab.
Die rasante Ausbreitung der Mexikanischen Grippe hat in der EU einen Streit über ein mögliches Flugverbot nach Mexiko entfacht. Die Gesundheitsminister der 27 EU-Staaten konnten sich bei einem Krisentreffen in Luxemburg nicht auf die von Frankreich geforderte Reisebeschränkung verständigen.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wies die Forderung nach einem Flugverbot zurück: «Wenn man glaubt, mit dem Verbot eines Fluges nach Mexiko oder von Mexiko nach Deutschland etwas erreichen zu können, dann unterschätzt man, dass die Menschen in einer mobilen Welt stattdessen vielleicht auch nach Venezuela gehen oder in die USA, sagte die Ministerin. Wenn man wirklich Reiseverbote erlassen wollte, so «müsste man sehr viel weiter gehen».
Es sollte laut Schmidt eher darüber nachgedacht werden, auf Flughäfen Beratungsangebote zu vermitteln. Auf einigen deutschen Flughäfen stünden bereits Ärzte dafür bereit. Sinnvoll sei auch, dass die Lufthansa auf Flügen nach und aus Mexiko Ärzte mitnehme.
Drastisch und unnützAuch ihre spanische Amtskollegin, Trinidad Jiménez, lehnte den Vorschlag ab und sprach von einer «drastischen Maßnahme», die «vollkommen unnütz» sei. Spanien sei bereit, schärfere Kontrollen an Grenzen und Flughäfen zu akzeptieren, nicht aber Reisebeschränkungen.
Die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot bekräftigte dagegen ihre Forderung, alle Flüge nach Mexiko zu stoppen. Unterstützung erhielt Bachelot von Italien. «Wir müssen über Reisebeschränkungen nachdenken», sagte der italienische Unterstaatssekretär für Gesundheit, Ferruccio Fazio.
EU-Staaten sollen selbst entscheiden Laut Diplomaten hat sich die Ministerrunde in einem Entwurf für die gemeinsamen Schlussfolgerungen auf die Formulierung geeinigt, dass es jedem EU-Staat offen stehe, ein Reiseverbot zu verhängen. Darüber hinaus werden die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission dazu aufgerufen, im Kampf gegen die Seuche eng zu kooperieren. Die EU will auch prüfen, Mexiko und anderen «von der Krankheit am stärksten betroffenen Ländern» bei der Eindämmung der Schweinegrippe zu helfen. Außerdem soll so schnell wie möglich ein Impfstoff entwickelt werden.
Nach Angaben des EU-Seuchenkontrollzentrums hatten sich bis Donnerstag weltweit mehr als 170 Menschen infiziert, davon 26 innerhalb der Europäischen Union. In Spanien waren 13 Menschen erkrankt, in Großbritannien acht, in Deutschland drei und in Österreich sowie in den Niederlandne einer. Bis auf einen Fall in Spanien, wo vermutlich eine Mexikoreisende ihren Partner ansteckte, waren alle Erkrankten in Europa zuvor in Mexiko gewesen. (dpa/AP)