EU kritisiert Korruption und organisierte Kriminalität: 

netzeitung.deAlbanien bittet Europäer offiziell um Mitgliedschaft

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Albaniens Regierungschef Berisha (l.) spricht von einem historischen Meilenstein. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Albaniens Regierungschef Berisha (l.) spricht von einem historischen Meilenstein.
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Sein Land sei «leidenschaftlich pro Europa», sagte der albanische Regierungschef Berisha. Das Land, in dem jeder vierte Einwohner unter dem Existenzminimum lebt, hat nun einen Antrag in Brüssel gestellt.

Albanien hat förmlich die Mitgliedschaft in der Europäischen Union beantragt. Der Antrag wurde vom albanischen Regierungschef Sali Berisha am Dienstag in Prag dem derzeitige EU- Ratsvorsitzenden, Tschechiens Ministerpräsident Mirek Topolanek, übergeben. «Das ist ein historischer Moment für mein Land», sagte Berisha in Prag. «Mein Land ist leidenschaftlich pro Europa.»

«Heute hat Albanien einen historischen Meilenstein in seinem Engagement für gemeinsame europäische Werte erreicht», heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission vom Dienstag. Nach dem Vorliegen des Antrags muss zunächst der Ministerrat die Kommission um eine Stellungnahme über Für und Wider eines albanischen Beitritts bitten. Nach Vorliegen dieser Stellungnahme kann der Ministerrat später den Beginn von Beitrittsverhandlungen beschließen.
Pro-Kopf-Einkommen von 200 Euro
Albanien war am 1. April in die NATO aufgenommen worden und ist seit 2006 mit der EU über ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen verbunden. Mindestens jeder vierte der 3,4 Millionen Einwohner lebt unter dem Existenzminimum, das monatliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei wenig mehr als 200 Euro, damit zählt der Balkan-Staat zu den ärmsten Ländern Europas. Die EU-Kommission hat bisher mehrfach vor allem Korruption und das ungehinderte Agieren der organisierten Kriminalität in Albanien kritisiert.

In der Erklärung der EU-Kommission vom Dienstag heißt es, Albanien habe eine «stabilisierende Rolle» auf dem westlichen Balkan gespielt. Zu den Krisenherden der Region gehört das Kosovo, das mehrheitlich von Albanern bewohnt und von Serbien als Teil des eigenen Staatsgebietes betrachtet wird. Albanien müsse nun zeigen, dass es in der Lage sei, rechtsstaatliche Verhältnisse im eigenen Land herzustellen und zu garantieren.

Derzeit sind Kroatien, die Türkei und Mazedonien Beitrittskandidaten. Mit Mazedonien gibt es aber noch keine Verhandlungen. Montenegro hatte im Dezember 2008 einen Beitrittsantrag gestellt, mit dem sich der Ministerrat bisher jedoch noch nicht befasst hat. (dpa)