USA nehmen Vergeltungsdrohung ernst: 

netzeitung.dePiraten schlagen zurück und kapern vier Schiffe

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Der griechische Frachter MS Irene (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der griechische Frachter MS Irene
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wieder waren sie mit Schnellbooten und reichlich Waffen ausgestattet vor Ort und machten Beute: Ein libanesischer und ein griechischer Frachter fielen Somalias Piraten in die Hände. Knapp 20 Schiffe befinden sich nun in ihrer Gewalt.

Auch die jüngsten gewaltsamen Befreiungsaktionen schrecken die Piraten am Horn von Afrika nicht ab. Am Dienstag schlugen sie erneut zu: Binnen von 48 Stunden brachten sie vier Schiffe in ihre Gewalt. Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf eine Nato-Sprecherin, der libanesische Frachter «MS Sea Horse», der unter der Flagge Togos fährt, sei von Seeräubern in drei oder vier Schnellbooten angegriffen und gekapert worden.

In der Nacht zum Dienstag war im Golf von Aden bereits der griechische Frachter «MS Irene» in die Fänge von Piraten geraten. Laut BBC enterten Piraten in der gefährlichen Wasserstraße am Montag zwei ägyptische Fischerboote. Die aus den Philippinen stammende 22-köpfige Besatzung der «MS Irene» blieb offenbar unverletzt. Das 35.000-Tonnen-Schiff fährt unter der Flagge des karibischen Inselstaats St. Vincent, wie das Internationale Maritime Büro in London mitteilte.

Unmittelbar vor dem Überfall hatte die «Irene» noch ein Notsignal abgesetzt, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Dass der Angriff in der Nacht erfolgte, deutet auf eine immer bessere technische Ausrüstung der Piraten hin - offenbar finanziert mit Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe.

Obama sagt Piraten Kampf an
US-Präsident Barack Obama sagte den Piraten am Horn von Afrika den Kampf an. «Ich will es ganz klar sagen, dass wir entschlossen sind, der Zunahme der Piraterie in dieser Region Einhalt zu gebieten», sagte er nach der spektakulären Befreiung von US-Kapitän Richard Phillips durch US-Militärs. Die USA müssten «mit ihren Partnern zusammenarbeiten, um künftige Angriffe zu verhindern».

Am Sonntag hatten US-Elitesoldaten Phillips vor Somalia aus der Hand von Piraten befreit und dabei drei der vier Seeräuber getötet. Am Karfreitag waren zwei Piraten und der französische Bootseigner bei der Befreiung einer Jacht ums Leben gekommen. Die Seeräuber drohten Vergeltung an. Künftig würden alle Geiseln sofort getötet, wenn die Gefahr eines Angriffs seitens ihrer Landesstreitkräfte bestehe, erklärte Piratenführer Jamac Habeb. Und die USA würden ganz besonders ins Visier genommen.

Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Admiral Richard Mullen, erklärte am Dienstag, er nehme die Drohung ernst. Zugleich bekräftigte er im Fernsehsender ABC, dass die USA auf jede Vergeltungsaktion entsprechend reagieren würden. Die Seeräuber haben gegenwärtig

Knapp 20 Schiffe
Derzeit haben somalische Piraten knapp 20 Schiffe mit mehr als 300 Besatzungsmitgliedern in ihrer Gewalt, darunter Seeleute aus Deutschland, Italien, Bulgarien, Russland, der Ukraine, China und Taiwan, Indonesien und den Philippinen in ihrer Gewalt, darunter auch den am 4. April gekaperten Frachter «Hansa Stavanger» mit fünf Deutschen und 19 anderen Seeleuten an Bord. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich weiter um die Freilassung der Geiseln.

Das Bundesverteidigungsministerium rechnet nicht damit, dass sich Piraten für die Befreiung des US-Kapitäns an ihren deutschen Geiseln rächen. Die Lage habe sich aber durch die Aktion verschärft, sagte der parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) im Deutschlandfunk.

Er mahnte, der Kampf gegen die Piraten vor der somalischen Küste könne nur gewonnen werden, wenn sich die internationale Gemeinschaft auch um eine Entspannung der politischen Lage in Somalia bemühe. Dennoch nannte Kossendey die von US-Präsident Barack Obama angeordnete Gewalt gegen die Piraten den richtigen Weg.

Bekämpfung der «Mutterschiffe»
Auch das Mandat der deutschen Marine für die EU-Operation «Atalanta» beinhalte ausdrücklich Gewaltanwendung. Kossendey zufolge hält die deutsche Seite sowohl zu den Piraten als auch zu den deutschen Geiseln Kontakt. Ferner gebe es Gespräche mit Stammesführern über ein Ende der Geiselnahme.

Der SPD-Politiker Rainer Arnold forderte im WDR Reedereien und deren Kapitäne auf, das Seegebiet nur mit Begleitschutz von Kriegsschiffe zu passieren. Der FDP-Verteidigungsexperte Rainer Stinner verlangte erneut die «Ausschaltung» der Mutterschiffe der Seeräuber. «Die Piraten können mit ihren Schnellbooten nur deshalb ein derart großes Seegebiet gefährden, weil sie von Mutterschiffen aus operieren.» Diese müssten bekämpft werden. Ferner meinte Stinner: «Jede Lösegeldzahlung stärkt letzten Endes die Position der Piraten.»

Die Piraterie vor der somalischen Küste bedroht auch die internationale Nahrungsmittelhilfe für das Land. 90 Prozent der Hilfsgüter kämen über See, sagte eine Sprecherin des UN- Ernährungsprogramms WFP in Genf. Die Piraterie sei eine ständige Sorge. Die in der vergangenen Woche gekaperte «Maersk Alabama» von Phillips sei zur Hälfte mit WFP-Containern bestückt gewesen. (dpa/AP)