Presseschau zu Obamas Anti-Atom-Rede: 

netzeitung.de«Es ist ein guter Traum - aber eben ein Traum»

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Barack Obama bei seiner Rede in Prag (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Barack Obama bei seiner Rede in Prag
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Ist Obamas Rede von einer «Welt ohne Atomwaffen» nur Utopie, nur Vision? Darüber sind sich die Leitartikler uneins. Klar ist: Den Weg dorthin müsse konkrete Politik pflastern - und da reicht Abrüstung in USA und Russland nicht aus. «Westfälische Nachrichten» (Münster): Kein Phantast Obamas neue Welt: Er übernimmt darin auch noch den Job der Friedensbewegten. Einen Phantasten sollte man ihn deshalb nicht nennen. Er weiß zu genau, dass sein Ziel - wenn überhaupt - erreichbar in ferner Zukunft liegt. Was der US-Präsident bewirken kann, ist, die Zahl atomarer Sprengköpfe weltweit zu senken. Damit ließe sich zugleich die Gefahr der Weiterverbreitung kleiner, so genannter schmutziger Bomben verringern. Dadurch wäre viel an Sicherheit rund um den Globus gewonnen. Obama, der Realpolitiker. «Frankfurter Rundschau»: Eine Tür aufgestoßen

«Westfälische Nachrichten» (Münster): Kein Phantast
Obamas neue Welt: Er übernimmt darin auch noch den Job der Friedensbewegten. Einen Phantasten sollte man ihn deshalb nicht nennen. Er weiß zu genau, dass sein Ziel - wenn überhaupt - erreichbar in ferner Zukunft liegt. Was der US-Präsident bewirken kann, ist, die Zahl atomarer Sprengköpfe weltweit zu senken. Damit ließe sich zugleich die Gefahr der Weiterverbreitung kleiner, so genannter schmutziger Bomben verringern. Dadurch wäre viel an Sicherheit rund um den Globus gewonnen. Obama, der Realpolitiker.
«Frankfurter Rundschau»: Eine Tür aufgestoßen
Barack Obamas Projekt einer atomwaffenfreien Welt ist noch nicht mehr als eine konkrete Utopie; es ist zugleich aber viel mehr, als der Weiter-so-Fatalismus der Abschreckung je an Hoffnung auf Sicherheit hat gewährleisten können. Nun muss ein Programm für neue Regeln daraus werden. Sechs Stunden zuvor beging Nordkorea den ersten Regelverstoß. Auch wenn der per Langstreckenrakete abgeschossene Satellit die Erde wohl nicht umkreist, entkräftet das den japanisch- amerikanisch-südkoreanischen Alarm nicht. Das Kim-Regime hat damit freilich nicht Obamas Projekt aus dem Prager Fenster gekippt. Es hat aber die Dringlichkeit neuer Schritte deutlich aufgezeigt. Obama hat eine Tür aufgestoßen. Den Weg, auf den sie führt, hat nun konkrete Politik zu pflastern.
«Münchner Merkur»: Zeit für die Kraft großer Ideen
Eine atomwaffenfreie Welt, der Traum aller Pazifisten: Barack Obama hat diese Vision tatsächlich formuliert, wohl wissend, dass es eine Vision bleiben wird. Aber dem US-Präsidenten geht es auch weniger um das Ziel, es geht ihm um den Weg. Ein Einstieg in die Abrüstung würde all jene Regime in Zugzwang bringen, die unter Verweis auf die Großen bislang jede Diskussion über ihre Arsenale verweigern. Die Welt hat allen Anlass, radikal-islamische Regime zu fürchten, die womöglich nicht nach den Regeln westlicher Abschreckungs-Arithmetik agieren. Oder Hasardeure wie den nordkoreanischen Führer, von Terroristen ganz zu schweigen. Wo aber die Buchhalter-Logik an ihre Grenzen stößt, da ist es an der Zeit für die Kraft großer Ideen. Der charismatische Obama scheint über das Talent zu verfügen, sie glaubhaft zu verkörpern.
«Märkische Allgemeine» (Potsdam): Ein Appell, mehr nicht
Der Präsident ist trotz seiner Vision kein weltfremder Schwärmer, der die vorhandenen Gefahren ignoriert. Seiner Lageanalyse, dass die nukleare Bedrohung nach dem Ende des Kalten Krieges paradoxerweise gewachsen und das Risiko regional begrenzter nuklearer Angriffe gestiegen sei, kann leider nicht widersprochen werden. Und natürlich kann von einem detaillierten Abrüstungsplan noch keine Rede sein. Obamas gestriger Auftritt in Prag war ein Appell, mehr nicht. Die Veränderung der US-Außenpolitik ist zunächst einmal eine Veränderung im Ton. Es geht dem Präsidenten um den Aufbau von Vertrauen. Denn das ist der Kern aller Abrüstungspolitik - das Gefühl auf beiden Verhandlungsseiten, dass man es mit einem rationalen, berechenbaren Gegenüber zu tun hat, der hält, was er verspricht.
«Rhein-Neckar-Zeitung» (Heidelberg): Ein guter Traum
Fast schon wie ein Messias wird Barack Obama in Europa verehrt. Sein Traum von einer «atomfreien Welt» übererfüllt in diesem Sinn die Erwartungen. Es ist ein guter Traum - aber eben ein Traum. Obama sagt, dass die USA und Russland mit der atomaren Abrüstung vorangehen wollten. Er weiß aber, dass die anderen Atommächte ihm nicht folgen werden. Fast schon als zynische Illustration ist da der jüngste Raketentest Nordkoreas zu interpretieren. Und Iran forscht bereits im Rahmen eines Atomwaffenprogramms. Es wird zudem immer wieder Staaten geben, die sich vom Geist infizieren lassen, den die USA selbst 1945 aus der Flasche entließen, als sie Hiroshima und Nagasaki bombardierten.
«Neue Westfälische» (Bielefeld): Verhebt sich Obama gar?
Allerdings weckt das Superprogramm zur Rettung der Welt, das sich der US-Präsident auferlegt hat, auch Skepsis. Vor allem daheim in den USA. Denn dort fragt sich die politische Elite bereits irritiert, wer wen antreibt, wer die politische Tagesordnung bestimmt: Obama die Europäer oder die Europäer Obama? Schon keimt der Verdacht, der neue Mann im Weißen Haus sei in wirklich passiv, vielleicht sogar viel zu schwach. Verhebt sich Obama gar? Es ist nun an Europa, das Engagement ebenfalls zu erhöhen: ob in Afghanistan, bei der Abrüstung oder bei der Annäherung an Russland. Mit Obama kehrt Optimismus und eine neue Ära des Dialogs zurück. Mit Obama öffnet sich auf einmal so manche Tür.
«Berliner Zeitung»: Signal hätte stärker sein können
Aus Prag wurde am Sonntag ein starkes Signal gesendet. Es wäre noch stärker gewesen, wenn Obama erklärt hätte, die USA würden auch auf den Bau der Raketenabwehr in Osteuropa verzichten. Das hätte es Russland noch leichter gemacht, in die Abrüstungsverhandlungen zu gehen. Und das Signal wäre auch stärker gewesen, wenn die Nato am Wochenende auf ihrem Jubiläumsgipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden Obamas Vorstellungen übernommen und öffentlich unterstützt hätte. Das wäre eine echte Aufgabe für die Gipfelgastgeber Angela Merkel und Nicolas Sarkozy gewesen. Der sind sie leider aus dem Weg gegangen.
«Westdeutsche Zeitung» (Düsseldorf): Effektive Kontrolle wichtig
Die Bereitschaft des amerikanischen Präsidenten, den UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffentests endlich zu ratifizieren, ist die eigentliche Sensation seiner gestrigen Rede - auch wenn damit noch lange nicht China, Indien, Pakistan, Israel, Iran und Nordkorea gewonnen sind. Entscheidend wird aber sein, ob es Obama gelingen wird, ein effektives internationales Kontrollsystem zu installieren, das die Verteilung nuklearen Brennstoffs lückenlos überwachen könnte. Das Problem: Wenn sich die USA, Russland oder auch China bei dieser Initiative Sonderrechte zugestehen lassen wollten, wäre sie schon vom Beginn an zum Scheitern verurteilt.
«Cellesche Zeitung»: Keine Alternative
Obama will nichts weniger als eine neue Weltordnung, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert, und strebt für sein Land die Führungsrolle bei der Schaffung dieser Ordnung an. Das mag vielen naiv oder zu idealistisch erscheinen. Doch gibt es zu einer friedlichen Welt überhaupt eine Alternative? Und wer, wenn nicht Amerika, kann sich an führender Stelle für eine solche Welt einsetzen? Die ewig zerstrittenen Europäer, die sich noch nicht einmal über den EU-Beitritt der Türkei einig werden können, gewiss nicht. (dpa/nz)