05.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Igor Panarin begründet seine Thesen mit Schießereien und homosexuellen Männern
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Vortrag muss auf westliche Zuhörer wie Satire gewirkt haben: Bald würden die USA auseinanderbrechen, sagte ein Mitarbeiter des russischen Außenministeriums voraus - und sieht das eigene Land natürlich als Sieger.
Ein ranghoher Mitarbeiter des russischen Außenministeriums hat den baldigen Zerfall der USA vorausgesagt. Die USA würden noch vor 2011 in sechs Rumpfstaaten auseinanderbrechen, und Russland und China das Rückgrat einer neuen Weltordnung bilden, sagte Igor Panarin, Dekan der Diplomatenakademie, bei einem Vortrag in Moskau.
Die jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen in den USA und andere «soziale und kulturelle Phänomene» hätten ihn vom bevorstehenden Auseinanderbrechen der USA in sechs autonome Regionen überzeugt. Alaska werde dann wieder unter russische Kontrolle geraten, sagte er vor Dutzenden Studenten, Professoren und Diplomaten. Das russische Außenministerium hatte zu der Vorlesung am Dienstag demonstrativ auch die Nachrichtenagentur AP und andere ausländische Medien eingeladen.
Panarin, der auch schon Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde war und dem Geheimdienst KGB angehören soll, ist auf den staatlich gelenkten russischen Fernsehkanälen ein ständiger Gast. Bei seiner Rede sprach er vom moralischen Niedergang der US-Bürger und verwies auf Schießereien in Schulen, die hohe Zahl von Gefängnisinsassen und homosexuellen Männer. Präsident Barack Obama werde noch dieses Jahr das Kriegsrecht verhängen, gab sich Panarin überzeugt.
«Der Zusammenbruch des amerikanischen Traums» In der Wirtschaft sei die amerikanische Dominanz über den Weltmarkt bereits zusammengebrochen, sagte Panarin und wies auf den Einbruch am Aktienmarkt, den Rückgang der US-Wirtschaftsleistung und die Nothilfe für den Bankenriesen Citigroup hin. «Ich war vor kurzem dort, und die Dinge laufen alles andere als gut», sagte er über die USA. «Was geschehen ist, ist der Zusammenbruch des amerikanischen Traums.»
Panarin nannte kaum spezifische Angaben für die Quellen, auf die er seine Thesen baut. Er zitierte meist aus Zeitungen, Magazinen und anderen öffentlich zugänglichen Quellen. Panarin betonte, er selbst wünsche nicht den Zusammenbruch der USA. Aus der Krise werden nach seiner Ansicht Russland und China gestärkt hervorgehen. Beide Nationen sollten deshalb enger zusammenarbeiten und eine neue Währung schaffen, die den US-Dollar ersetze. Auf die Frage nach einem offiziellen Kommentar des Außenministeriums zu Panarins Ansichten erklärte am Mittwoch ein Sprecher, alle Frage müssten zunächst schriftlich eingereicht werden.
Es war nicht klar erkenntlich, wie überzeugend Panarins 20-minütiger Vortrag auf seine Zuhörer wirkte. Ein Lehrbeauftragter fragte ihn anschließend, ob er nicht eher den Zustand Russlands beschrieben habe, das sich derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit einem Jahrzehnt befindet und dem einige Forscher einen demographischen Kollaps vorausgesagt haben. Panarin wies diese Ansicht zurück und sagte: «Ein Kollaps Russlands wird nicht passieren.» (Mike Eckel, AP)