Ahmadinedschad fordert neue US-Außenpolitik: 

netzeitung.deIran will nach Obama-Ansprache Taten sehen

 Herausgeber: netzeitung.de

Mahmud Ahmadinedschad (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mahmud Ahmadinedschad
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Irans Präsident hat Barack Obamas Angebot der «ausgestreckten Hand» begrüßt, doch er erwartet mehr als nur «Rhetorik». Zugleich rechnete Ahmadinedschad mit Obamas Amtsvorgänger ab: Bush sei im «Mülleimer der Geschichte» gelandet.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat zwei Tage nach einem Angebot des neuen US-Präsidenten Barack Obama zum Dialog Gesprächsbereitschaft signalisiert. «Falls die (von Obama) angekündigten Veränderungen wirklich ernst gemeint sind, würden wir diese begrüßen», sagte Ahmadinedschad am Mittwoch in Teheran. Nur müssten sie auch umgesetzt werden und dürften keine reine «Rhetorik oder Taktik» bleiben.

Obama hatte in einem Fernsehinterview am Montagabend erklärt, «wenn Staaten wie der Iran willens sind, ihre Faust zu öffnen, werden sie eine ausgestreckte Hand von uns finden». Dieser Satz kam in Irans Hauptstadt offenbar gut an: «Genau das wollte der Iran seit Jahren hören, ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung für das Land», sagte ein iranischer Politologe. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte das Land als Teil der «Achse des Bösen» bezeichnet und keinerlei Interesse an einem direkten Kontakt gezeigt.

Mit Obama soll das nun anders werden. Daher will man mit ihm laut Ahmadinedschad «Geduld haben» und die «Aussagen und Handlungen Obamas vorsichtig und sorgfältig verfolgen». An Bush ließ Ahmadinedschad dafür kein gutes Haar. Er betonte, nach dessen «unmenschlicher Politik» seien Veränderungen in der US-Politik dringend notwendig. «Bush ist mit einem dicken Strafregister aus dem Amt geschieden und im Mülleimer der Geschichte gelandet.» Nun sei er weg und «so Allah will, fährt er zur Hölle».

Weg aus der Isolation gesucht
Obwohl das Klerussystem im Iran mit dem ultrakonservativen Ahmadinedschad als Präsident relativ stabil ist, will das Land der internationalen Isolation ein Ende setzen. «Das geht ohne Beziehungen zu den USA nicht, dieser Tatsache ist sich die gesamte iranische Führung voll und ganz bewusst», sagte der iranische Politologe.

Wegen des Atomstreits hat das Land auch keine normalen Beziehungen mehr zur Europäischen Union, und auch die arabischen Staaten würden einem atomaren Iran kaum trauen. Im Atomstreit könnte es jedoch nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde einen Durchbruch geben, falls die USA direkt an den Verhandlungen teilnehmen würden.

Schwierige Annäherung
Ahmadinedschad wies jedoch darauf hin, dass nicht der Iran, sondern die USA «ihre Faust öffnen» sollten. «Es waren die USA, die sich in den vergangenen 60 Jahren gegen die iranische Nation gestellt haben», sagte er und verwies dabei auf die US-Unterstützung des Schahs bis zur islamischen Revolution vor 30 Jahren und auf die amerikanische Unterstützung für den irakischen Diktator Saddam Hussein während des Iran-Irak Krieges zwischen 1980 und 1988.

«Es sind die USA, die sich ändern sollten, wir haben doch nur versucht, unabhängig zu sein», sagte Ahmadinedschad. Auch das Atomprogramm diene lediglich zivilen und friedlichen Zwecken und nicht, wie vom Westen vermutet, militärischen Zielen, sagte der 52- Jährige.

«Der erste Schritt ist schon mal getan, um die 30-jährige (diplomatische) Funkstille zu beenden, der zweite wird jedoch weitaus schwieriger werden», sagte ein westlicher Diplomat in Teheran. In der Tat wird der Versöhnungskurs nach Ansicht von Beobachtern nicht ohne Hindernisse sein. (Farshid Motahari, dpa)