21.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Israel lässt den Einsatz von Phosphorbomben in Gaza untersuchen.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ärzte aus Gaza berichten von Verletzten mit furchtbaren Verbrennungen. Menschenrechtler haben die Phosphor-Geschosse mit eigenen Augen gesehen. Jetzt lässt Israel die Vorwürfe untersuchen.
Die israelische Armee will prüfen, inwiefern der Einsatz von Phosphormunition in ihrem 22-tägigen Gaza-Feldzug gegen bestehende Regelungen verstoßen habe. Um «jegliche diesbezügliche Unklarheit zu beseitigen», sei eine Untersuchungskommission ins Leben gerufen worden, hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme der israelischen Streitkräfte.
Menschenrechtsgruppen und Ärzte werfen der israelischen Regierung vor, bei ihrer Gaza-Offensive Phosphorbomben eingesetzt zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hatte Israel scharf attackiert: Der Einsatz von Phosphor in einem so dicht besiedelten Gebiet wie dem Gazastreifen sei «ein Kriegsverbrechen». Auch Human Rights Watch hatte schwere Vorwürfe erhoben.
Phosphormunition wird zumeist verwendet, um Rauchwände zu erzeugen und dem Feind die Orientierung zu nehmen. Die Bomben explodieren am Himmel, verbreiten weißen Rauch und fliegen dann als kleine Brandsätze zu Boden. Beim Menschen führen sie zu zu schwersten Verbrennungen.
Der Einsatz von Phosphorbomben im Krieg ist international nicht explizit verboten, allerdings dürfen sie nach der Waffenkonvention von 1980 nicht gegen Zivilisten oder in dicht besiedelten Gebieten eingesetzt werden. Der Gazastreifen mit 1,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 360 Quadratkilometern ist eines der dicht besiedeltsten Gebiete der Welt. Die israelische Armee hatte bislang nur eingeräumt, während der Gaza-Offensive Phosphormunition im freien Gelände verwendet zu haben.
Kaum zu heilen AI-Experten, die kurz vor der Waffenruhe am Sonntag in den Gazastreifen einreisen konnten, haben eigenen Angaben nach noch schwelende Geschosshülsen herumliegen sehen. «Wir fanden sie überall, auch in Wohngebieten», berichtet Donatella Rovera aus dem AI-Expertenteam. «Wir sahen welche, die mit Sand bedeckt waren, und wenn Kinder sie herumkickten, brannten sie erneut.»
Auch der Chefarzt der Abteilung für plastische Chirurgie und Verbrennungen im Schifa-Krankenhaus von Gaza, Nafis Abu Schaban, spricht von zahlreichen Verletzten mit furchtbaren Verbrennungen. Der weiße Phosphor, der in der Munition enthalten ist, verursacht Brände, die sich mit Wasser nicht löschen lassen. Kommt er mit menschlichem Gewebe in Berührung, führt Phosphor zu Brandwunden, die kaum zu heilen sind. Einige der Patienten hätten stundenlang fürchterliche Qualen gelitten, berichtet der Arzt. Unabhängige Informationen über zivile Phosphor-Opfer liegen aber bisher nicht vor.
Unterdessen zog die israelische Armee ihre Truppen vollständig aus dem Gazastreifen ab. Ein Teil der Truppen wurde an den Rand des Gazastreifens verlegt und blieb in erhöhter Alarmbereitschaft. Zudem öffnete Israel drei Grenzübergänge für die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter, Kochgas und Treibstoff. Während der dreiwöchingen israelischen Bombardierung wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde 1415 Menschen getötet und mehr als 5500 verletzt. Auf israelischer Seite starben zehn Soldaten und drei Zivilisten. (nz/AP)