11.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Demonstranten protestieren in London mit Plakaten "Stoppt das Massaker in Gaza" durch die Straßen.
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ob London, Karachi, Barcelona oder Algier: Weltweit gingen am Wochenende Zigtausende auf die Straßen, um gegen Israels Militäraktion in Gaza zu demonstrieren.
Hunderttausende Menschen haben am Wochenende weltweit gegen die israelische Militäraktion im Gazastreifen protestiert. Zu Großdemonstrationen kam es in London und Paris. In mehreren Städten Deutschlands gingen knapp 35.000 Menschen auf die Straße. Auch in Washington demonstrierten mehrere tausend Menschen. Aus den Hauptstädten Skandinaviens wurden ebenfalls Proteste mit jeweils mehreren tausend Menschen gemeldet.
Am Sonntag gab es mehrere pro-israelische Demonstrationen mit weitaus geringer Beteiligung. In Berlin versammelten sich rund 500 Menschen vor der Gedächtniskirche, um ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat zu bekunden. In London kamen laut Polizei rund 4000 Menschen zusammen, um für Frieden aber auch für die Anerkennung der israelischen Argumente zu demonstrieren. Die Veranstalter sprachen 15.000 Teilnehmern. Auch in Manchester gab es solche Demonstration.
Gleichzeitig riefen hochrangige britische Juden Israel zu einem Ende der Angriffe im Gazastreifen auf. In einem öffentlichen Brief, der in der Zeitung «Observer» veröffentlicht wurde, sprachen sie von ihrem «Entsetzen» über die Gewalt und das Sterben im Gazastreifen. Die militärischen Aktionen würde islamistischen Extremismus fördern.
Ausschreitungen in FrankreichIn Frankreich hatten am Samstag etwa 130.000 Menschen demonstriert. Allein in Paris waren es laut Innenministerium etwa 30.000 Menschen, die Veranstalter sprachen sogar von 100.000. Am Rande des Marsches kam es zu Ausschreitungen mit 180 Festnahmen. Mehrere Motorroller gingen in Flammen auf, neun Geschäfte wurden verwüstet. «Stoppt das Massaker» war auf zahlreichen Transparenten zu lesen. Größere Demonstrationen gab es außerdem in Lille, Lyon, Marseille und Nantes.
In London nahmen nach offiziellen Angaben 20.000 Menschen an einem Protestmarsch teil, Medien sprachen von 50.000. Dort kam es am Rande zu Krawallen. Drei Beamte wurden verletzt, ein Polizist wurde bewusstlos geschlagen. Nach einem zunächst friedlichen Marsch attackierten Demonstranten die Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen und warfen Schaufensterscheiben ein. Die Polizei ging von 40 Festnahmen aus. Weitere Proteste gab es in Belfast, Edinburgh, Aberdeen und Newcastle. Auch in anderen europäischen Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland gingen zehntausende Menschen auf die Straße.
Milli Görüs demonstriert in DuisburgZur größten Kundgebung in Deutschland folgten in Duisburg 10.000 Demonstranten einem Aufruf der «Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs», die vom Verfassungsschutz unter dem Verdacht islamistischer Bestrebungen beobachtet wird. Der Verband fordert ein Ende der Offensive und die Aufhebung der Blockade gegen Gaza. Proteste gab es auch in Berlin, Mainz, Freiburg, München, Nürnberg und Hannover.
Demonstriert wurde auch in der südlibanesischen Stadt Nabatijeh. Dort hatte die schiitische Hisbollah zu Protesten aufgerufen. Bei einer antiisraelischen Kundgebung in Karachi wehrte die pakistanische Polizei einen Angriff auf das US-Konsulat ab. Unter Einsatz von Tränengas und Schlagstock wurde die Menge von dem Gebäude zurückgedrängt. Auch in Algerien kam es zu anti-israelischen Protesten. (dpa/nz)