08.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Vereinten Nationen stoppen aus Angst vor israelischem Beschuss Hilfstransporte nach Gaza.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Obwohl die Vereinten Nationen ihre Arbeit in Gaza mit dem israelischen Militär koordinieren, werden UN-Einrichtungen und Hilfslieferungen immer wieder beschossen. Jetzt muss die Organisation Konsequenzen ziehen.
Nach israelischen Angriffen auf UN-Schulen und einen Versorgungstransport lassen die Vereinten Nationen ihre Hilfslieferungen für den Gazastreifen zunächst ruhen. Die Hilfe werde erst wieder aufgenommen, wenn die Sicherheit der UN-Mitarbeiter garantiert sei, sagte Sprecher Chris Gunness am Donnerstag. Trotz einer Koordination der UN-Arbeit mit Israel seien weiterhin Mitarbeiter getroffen und getötet worden.
Die Zahl der palästinensischen Opfer seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza auf rund 750. In Gaza-Stadt seien zuletzt 35 Tote in den Trümmern gefunden worden. Auch am Donnerstag setzten die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe für drei Stunden aus, damit die notleidende Bevölkerung des Küstenstreifens mit Nahrung, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden konnten.
Während der kurzen Feuerpause wurde nach UN-Angaben aber ein Lastwagen mit einer Hilfslieferung beschossen. Dabei sei der Fahrer getötet worden. Die UN hätten die Lieferung mit Israel koordiniert, und das Fahrzeug sei mit einer UN-Flagge und -Abzeichen gekennzeichnet gewesen. Israel sicherte zu, den Vorfall untersuchen zu lassen. Vor wenigen Tagen waren bei einem Angriff auf eine Schule der Vereinten Nationen mehr als 30 Menschen getötet worden.
Scharfe Kritik des Roten KreuzesAm Donnerstag hatte auch das Internationale Kommittee des Roten Kreuzes schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Das Land verletzte das humanitäre Völkerrecht, kritisierte die in Genf ansässige Organisation in ungewöhnlich scharfer Form. Die Streitkräfte hätten ein Team des IKRK gehindert, in zerstörten Vierteln von Gaza-Stadt medizinische Hilfe zu leisten.
Unterdessen droht Israel an seiner Nordgrenze eine zweite Front. Am Donnerstag schlugen mehrere Raketen aus dem Libanon im Norden des Landes ein. Dabei wurden in der Nähe der Stadt Naharija zwei Menschen leicht verletzt. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte verurteilte die Angriffe als Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen von 2006. Die israelischen Streitkräfte reagierten mit Artilleriebeschuss auf die Raketen. «Wir verfolgen, was im Norden passiert. Wir sind vorbereitet und werden antworten, wie es nötig ist«, warnte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak.
Im Gazastreifen setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe unvermindert fort. Im Südwesten des Gazastreifens kam es auch zu direkten Gefechten israelischer Bodentruppen mit Hamas-Kämpfern. Bei der Explosion einer Panzerabwehrrakete wurde ein Offizier der israelischen Infanterie getötet. Damit stieg die Zahl der israelischen Todesopfer auf elf. (dpa/AP/nz)