Israel droht zweite Front: 

netzeitung.deRotes Kreuz übt scharfe Kritik an Israel

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Israelische Armee verweigerte Helfern des IKRK Zugang zu zerstörten Vierteln in Gaza-Stadt. (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Israelische Armee verweigerte Helfern des IKRK Zugang zu zerstörten Vierteln in Gaza-Stadt.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Internationale Rote Kreuz wirft Israel vor, ein Rettungsteam tagelang an Hilfeleistung im Gazastreifen gehindert zu haben. Zudem kam es während der Waffenruhe zu einem Vorfall: Israel beschoss einen Lkw mit Hilfslieferungen.

Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) hat von «schockierenden» Vorfällen gesprochen, nach dem Israel der Hilfsorganisation erstmals Zugang in Teile des Gazastreifens gewährt hatte. Ein Rettungsteam des IKRK und des Palästinensischen Roten Halbmondes (PRCS) habe tagelang vergeblich versucht, in das von der israelischen Armee beschossene Viertel Saitun in Gaza-Stadt zu gelangen. Erst am Mittwoch habe das Militär dem Team mit den vier Ambulanzen Zugang gewährt, obwohl die IKRK schon seit Samstag darauf gedrängt hatte. Israel verletze damit das humanitäre Völkerrecht, kritisierte die in Genf ansässige Organisation in ungewöhnlich scharfer Form.

In einem zerbombten Haus in Saitun sei dass Rettungsteam auf vier kleine Kinder gestoßen, die neben ihren toten Müttern ausharrten, zu geschwächt, um alleine aufzustehen, hieß es. In dem Haus fanden sie einen weiteren schwer verletzten Mann und zwölf Tote. In einem anderen zerstörten Gebäude entdeckten die Helfer 15 Überlebende, mehrere davon schwer verletzt. Israelische Soldaten, die nur wenige Meter entfernt postiert waren, hätten dem Team befohlen, das Gebiet zu verlassen - die Helfer hätten sich allerdings geweigert.
Israel zeigt sich unbeeindruckt
«Das ist ein schockierende Vorfall», kritisierte Pierre Wettach, Chef der IKRK-Delegation in Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Die israelische Armee habe ihre völkerrechtliche Verpflichtung nicht eingehalten, Verwundete bergen und versorgen zu lassen.

Das israelische Militär zeigte sich von den Vorwürfen wenig unbeeindruckt: Die eigenen Soldaten seien wichtiger als die Anstrengungen, die Fahrten von Rotkreuz-Ambulanzen im Kriegsgebiet zu koordinieren. Zudem verwies die Armee auf die Hamas, die palästinensische Zivilisten als menschliche Schutzschilde verwendeten.

Nach UN-Angaben haben die israelischen Streitkräfte zudem einen Lastwagen mit einer Hilfslieferung für den Gazastreifen beschossen. Dabei sei der Fahrer getötet worden. Der Zwischenfall habe sich während der dreistündigen Waffenruhe ereignet, die Israel zur Versorgung der Bewohner des Gebiets mit Nahrung und Wasser eingeräumt hat, sagte UN-Sprecher Adnan Abu Hasna. Die UN hätten die Hilfslieferung mit Israel koordiniert, und das Fahrzeug sei mit einer UN-Flagge und -Abzeichen gekennzeichnet gewesen. Die israelischen Streitkräfte erklärten, der Vorfall im nördlichen Gazastreifen werde untersucht.

Israel droht zweite Front
Dies wäre womöglich nicht die einzige Verletzung der Waffenruhe. Ein Sprecher der israelischen Armee erklärte, die Hamas habe am Donnerstag seit 13.00 Uhr Ortszeit (1200 MEZ) aus dem Gazastreifen mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Auch ein israelischer Polizeisprecher bestätigte, mindestens vier Raketen seien eingeschlagen, darunter in den Städten Aschkelon und Sderot, die nahe des Gazastreifens liegen.

Unterdessen droht Israel eine zweite Front im Norden des Landes. Libanesische Extremisten schossen am Donnerstag mit Raketen aus dem Libanon auf Nordisrael. Eine Rakete traf ein Altersheim in der nordisraelischen Stadt Naharija und verletzte drei Personen leicht. Drei weitere Raketen landeten in der Umgebung und richteten nach Angaben des Rundfunks keinen Schaden an. Nach libanesischen Berichten schoss Israel fünf Mörsergranaten zurück.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Raketenangriff. Die Armee geht nach Rundfunkangaben davon aus, dass militante Palästinensergruppen die Raketen aus dem Libanon mit Einwilligung der pro-iranischen Hisbollah-Milizen abgefeuert haben. Bei den Raketentypen soll es sich um ältere Modelle handeln, die von der Hisbollah nicht benutzt werden.

Vor zweieinhalb Jahren hatte Israel einen Krieg im Libanon gegen die mit der radikal-islamischen Hamas sympathisierende Hisbollah- Miliz geführt. Die Hisbollah hatte damals vom südlichen Libanon aus zahlreiche Katjuscha-Raketen auf israelischen Boden abgefeuert.

Israel hatte in der Nacht seine schweren Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Kampfflugzeuge flogen nach Angaben eines Militärsprechers in der Nacht mehr als 60 Einsätze. Am Mittwoch hatte Israel zugestimmt, die Angriffe im Gazastreifen täglich für drei Stunden einzustellen, um humanitäre Güter verteilen zu lassen. Zudem erklärte sich die Regierung von Ehud Olmert bereit, über einen ägyptisch-französischen Vermittlungsvorschlag zu verhandeln.

Bei den Kämpfen, die seit dem 27. Dezember andauern, starben auf palästinensischer Seite mehr als 700 Menschen, darunter zahlreiche Kinder. (nz)